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2010/12/18

[Platten] Noise Capital - Majestic

Image Noise Capital spielen seit 2006 zusammen und sie nennen ihr Album gleich mal Majestic. Ebenso wenig Bescheidenheit hat es auch in das schöne Booklet geschafft. Was da geschrieben steht, macht die Band zwar nicht gerade sympathisch.

Wenn man nach dem Genuss der EP seinen Kritikerstift zückt und jede Aussage unterschreibt ist es aber wenigstens richtig. Die EP von Noise Capital ist schwer zu beschreiben.

Einerseits sind die Stücke so weit entfernt von Standardrock mit seinen Standardstrukturen, wie ein Musikkritiker vom Rockstar. Jeder einzelne Song hat sein individuelles Muster und viele Ideen in sich, ohne zu komplex zu wirken. Die Stücke sind handwerklich so gut ausbalanciert, dass sie über jedes Drahtseil gehen.

Auf der anderen Seite bewegt sich die EP strikt in einem fast schon traditionellen Sound-System und vermittelt teilweise Emotionen wie eine Mathematik-Vorlesung im Biergarten. Alles stimmig, korrekt und präzise bis auf die letzte Nachkommastelle. Aber ich hab jetzt echt eher Bock auf was Schönes zu trinken.

Kurz gesagt und auf hohem Niveau gejammert: Die Band spielt rockende Rockmusik nach allen Regeln der Kunst. Für das große Ding braucht es aber mehr. Vielleicht sogar, gerade keine Regeln zu kennen?

Die Platte hat mich mehrfach aus dem Musikanalyse-Modus geschmissen und zum unreflektierten Mitwippen gebracht. Weil sie am Ende halt einfach gut gemacht ist.

www.noisecapital.com

VÖ: 28.12.2009 auf digital/Finest Noise

[Platten] Appaloosa - Savana

ImageDie Band Appaloosa kommt aus Italien und wurde 1998 in Livorno gegründet. Savana ist ihr drittes Album, das Ende 2009 erschienen ist und mit dem sie jetzt ihr Review-Debüt auf BENZOL feiern.

Appaloosa spielen im Großraum Funk und versorgen eure Zimmer vordergründig mit treibenden Rhythmen und Grooves. Die Stücke sind vorwiegend instrumental, Gesang würde sich mit diesen Grooveungetümen, die die Songs voll ausfüllen, auch nur schwerlich vertragen. Im Vordergrund stehen Bass und Schlagzeug. Die Gitarre hat man lieber für einen zweiten Bass eingetauscht. Das war kein schlechter Deal.

Soweit, so normal. Besonders werden lässt die Platte, dass über und hinter den Rhythmen ein elektronischer, bisweilen auch loungiger, Klangteppich gelegt wird. So entsteht Musik, die gleichermaßen nach Vorne wie (atmosphärisch) in die Tiefe geht. Eine Mixtur, an der die Band offenkundig lange in Labor und/oder Proberaum gearbeitet hat und die ihre Wirkung nicht verfehlt. Ein schönes Stück Mucke, das man sich ohne schlechtes Gewissen immer einschmeißen kann.

www.myspace.com/appaloosarock

VÖ: 19.11.2009 auf Urtovox / Cargo

2010/12/17

[Platten] Bakkushan - Bakkushan

ImageBakkushan mit Bakkushan. Was für ein Beginn. Was für ein Debüt. Deutsche Texte und roher rockender Klang, so eine Mischung hört man selten genug.

Die ersten zwei Nummern Gefahr und Sturm in meiner Stadt überzeugen vollends und lassen Großes erwarten. Aber dann entweicht mit jedem Track mehr Luft aus dem Erwartungshaltungs-Luftballon: Die Band hat augenscheinlich ausgiebig in Langenscheids Floskel-Lexikon geblättert. Juristen sollten besser mal überprüfen, ob hier nicht ein eklatanter Urheberrechtsverstoß vorliegt: Ich würde mich nicht wundern, wenn den Jungs demnächst eine Klage des allgemeinen deutschen Sprichwortschatzes ins Haus flattern würde - so exzessiv wie sich daran bedient wurde.

Das ist natürlich übertrieben, aber auf Rock-CD gepresst eben auch weilig.

Der Tiefpunkt der Platte findet sich mit dem 12. und letzten Song Alles wird Gut. Ihr hört über drei Minuten, dass alles Gut wird. Ansonsten nichts, das große inhaltliche Problem dieser Platte. Wenigstens ist die Dramaturgie des Albums gut gelungen, nach dem diesem letzten Schinken hat man einfach keine Lust mehr. Auf Bakkushan. Auf sinnarme Sprüche.

So wird aus Enttäuschung über eine musikalisch wirklich gut gemachte Platte, kalte Wut über soviel heisse Luft

Als ich die ersten zwei Lieder intus hatte wollte ich mehr. Als der 12. Song verklungen war, wusste ich: Meine Stereoanlage und diese CD werden sich nie wieder sehen.

Die Chancen stehen gut Bakkushan in diesem Tagen auf MTV und Konsorten zu erwischen.
Alles wird Gut

Homepage

VÖ: 11.09.2009 auf Virgin/EMI

2010/12/16

[Platten] The Grand Sports - Everywhere You Go

ImageHeute zufällig Bock auf was Grundsolides? Steckt man sich „Everywhere you go“ von The Grand Sports in den Player erwartet einen genau das, ab Track 1, Sekunde 1.

Als Olympiateilnehmer wären die Grand Sports ein Kandidat für die 10.000 Meter: Die Musik sprintet nicht heftig nach vorne, aber es „geht“ doch einiges. Diese Scheibe hat eine Trittfrequenz, die, trotz gedrosselter Geschwindigkeit hörwürdig bis zum Schluss ist. Schuld daran sind die ausgefeilten Arrangements, denen man anmerkt, dass hier etwas länger an den Songs gebastelt wurde. Um sportlich zu bleiben: Der Produzent muss Kenianer sein, denn Sound und Klang passen wie der Fuß in den Laufschuh und sprechen mich richtig an.

Leider bietet die Platte mit zunehmender Länge keine neuen Töne, deshalb kann der Punktrichter in der B-Note keine Geschenke machen. Wen Platten und Musik wie die der Three Doors Down ansprechen, für den sind The Grand Sports aber definitiv die richtige Disziplin.


The Grand Sports Myspace
VÖ: Eigenvertrieb

[Platten] Random Hero - Past Is Prologue

Image Eine kleine Nachhilfe in Sachen Philosophie kommt heute in Form von Random Hero mit „past is prologue“, das neben dem Titel mit markigen Lebensweisheiten im Booklet begrüßt. Also gut 35 Minuten Zeit in sich zu gehen und am Ende dann eventuell endlich das Leben verstehen? Musikalisch schiffen Random Hero mit Höchstknotenzahl im Fahrwasser von Blink, +44 und dem sonstigen süßliche Melodien anbietenden Gewerbe. Die Platte hat keinen Ausreißer, den man hier jetzt herausloben müsste – was man aber sagen muss ist, dass die Platte sehr gut produziert ist, ab und an gar mit Streichern aufwartet und ansonsten auch viele (produktionstechnische) Möglichkeiten auslotet.

Leider verliert sich der musikalische Ansatz in inhaltlicher Breiigkeit von Dreams, Love, Suffering, Tears, Hope, Hearts usw. – kann man sich alles geben, muss man aber nicht. Diese Schulhof-Dichtung von 17 Jahren gelebter Erfahrung ist eigentlich fast nirgendwo nicht zu finden, deshalb penn ich auch beim dritten mitgelesenen Lied fast ein. Inspiration Fehlanzeige. Außer bittersüßen Melodien nichts, was Hängenbleibt. Deshalb meine Deutung des Albumtitels: Das Nächste wird immer besser als das vorherige Album.

Zum Ende noch was Positives: Die Platte ist OK. So eine muss man erstmal machen. Und dem Booklet-Band-Bild zufolge haben die Jungs auch noch ne Menge Zeit weiterzukommen.

www.randomhero.de

VÖ am 17.12.2007 auf Antstreet / Rada

[Platten] Needle And The Pain Reaction - Pheromone

ImageOder wie es sich anfühlt 100 mal auf die gleiche Folter gespannt zu werden.

Wir bekommen also „pheromone“ von der needle and the pain reaction verabreicht, also eigentlich biochemische Kommunikationsstoffe, in unserem Fall aber 14 Tracks, Übertragung ganz gewöhnlich von der heimischen Hifi-Anlage zum Ohr. 
 
Das biomusikalische Lockmittel ist irgendwo zwischen dem großen, ominösen Wort  „Indie“ und dem noch größeren Pop zu verorten: Zu wenig schön und/oder simple Melodie, um jedes Ohr zu ködern, aber doch zu gradlinig um hier von verschrobenem Saitengeschrubber á la Modest Mouse sprechen zu können.
 
 Wenn schon keine Auf-den-Punkt-Definition gelingt, wie ist also die Musik?  Die Lieder basieren meist auf netten, eingängigen Grooves und werden dann mit der Gitarre ausgemalt. So schweigt diese gerne mal während der Strophe, um im nächsten Moment krachend auf den sich im Anflug befindlichen Chorus aufmerksam zu machen. Der Gesang kann sich vor dieser gelungenen „jammigen“ musikalischen Kulisse getrost verstecken. Die Stimme wirkt kraftlos und deshalb wird gerne auf semi-geflüsterten Sprechgesang (in unüberhörbar hölzernem Englisch) zurückgegriffen. Allein in kräftigeren, lauteren Passagen der Songs, dann auch mit Background-Gesang, überzeugen die Vokalisten. Leider werden die anfangs interessant wirkenden Strukturen (Gitarre raus, Gitarre rein) in jedem Lied auf leicht abgeänderte Weise eingesetzt, so dass sich nach einigen Liedern Langeweile breit macht und die Platte sich so eher zum Ende leiert und eine Lied-Kopie nach der anderen zieht.
Trotz all dem Gesagten, die „needles“ legen ein Stück eigenständige Musik vor, dass mancher-ohr-ts auf mehr Gegenliebe stoßen dürfte.
 

VÖ: 12.11.2007 auf Pretty Pink / Radar