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2010/12/15

[Platten) Artic Monkeys - Whatever People Say I Am That's What I'm Not

ImageDeutschland ist wieder mal Weltmeister im Warenhandelexport und bald auch wieder im Fußball. Da haben wir einigen Vorsprung vor Großbritannien und alle sind neidisch auf uns. Das ist doch was. Aber Großbritannien ist und bleibt wohl unangefochtener Weltmeister im Export vorzüglicher Gitarrenmusik. 

Da blickt der deutsche Musikliebhaber wiederrum mit Neid auf die Insel. Es vergeht schließlich kaum eine Woche, in der nicht ein neuer Hype über den Ärmelkanal auf das europäische Festland schwappt. Die nächste Big Sensation von der Insel sind die überschwenglich gefeierten Arctic Monkeys mit ihrem Erstlingssilbering „Whatever People Say I Am That´s What I´m Not“. Und der hat es wahrlich in sich. Skepsis ist natürlich wie bei jedem anderen Hype angebracht, aber diese löst sich nach dem ersten Hören schleunigst in Luft auf.

Aber was unterscheidet die Arctic Monkeys von den anderen Inselbands wie Franz Ferdinand, Maximo Park und Konsorten? Ist es die Unbekümmertheit und die Jugendlichkeit? Sind es die Geschichten, die sie mit ihren Songs erzählen und die Melodien, die sie umgeben? Schwer zu sagen. Natürlich sind Einflüsse da, aber die Arctic Monkeys machen irgendwie ihr eigenes Ding und versuchen sich nicht im Fahrwasser der oben genannten Britpopkönige der letzten Jahre.

“Don´t Believe The Hype“ - genau das behauptet Alex Turner zu Beginn des ersten schlichten aber genialen Videos zu „I Bet That You Look Good On The Dancefloor“. Schon ziemlich abgeklärt für einen nicht mal zwanzigjährigen Typen. Aber glaubt ihm nicht. Believe the hype. In diesem Fall stimmt ausnahmsweise mal alles, was die Vögel von den Dächern diverser Musikzeitschriftenredaktionen zwitscherten. Allein die Tatsache, dass die Herren große Hallen ausverkauften, obwohl nur Demos im Internet im Umlauf waren, spricht für sich. Respekt, die Herren. Welch Werdegang im so harten Musikbiz.

Aber genug geredet. Jetzt mal zum wesentlichen: Die Songs. Manch einer, der sich in die vielen Demos verliebte, hegte heimlich die Angst, dass die fertigen Songs zu glatt produziert sind und weder Kanten noch Ecken aufweisen. Aber ruhig Blut. Alles ist gut geworden. Sogar besser als das. Lieder sind da drauf, die willst du gar nicht mehr vergessen und am liebsten mit in die Uni oder ins Bett nehmen. „A Certain Romance“ und „I Bet That You Look Good On The Dancefloor“ sind nur zwei davon. Das Erstere etwas ruhiger mit enormen Coolnessfaktor und mit Ambitionen auf den Song des Jahres. Das Andere sorgt dann für gutes Aussehen auf der Tanzfläche - Tanzschuhe rausholen nicht vergessen. Schmunzelnd nimmt man auch den sehr britischen Akzent des Sängers auf. Gibt dem ganzen noch das gewisse britische Etwas. Teatime.

Ruhiger können sie auch, das bleibt aber die Ausnahme. „Mardy Bum“ und „Riot Van“ sind so welche, müssen sich aber nicht vor ihren lauteren Kollegen verstecken, da sie auch den richtigen Nerv im Gehörgang treffen. Last night these two bouncers / And one of em's alright / The other one's the scary one / His way or no way, totalatarian. Diese Anfangssequenz von “From The Ritz To The Ruble“ wartet dann fast mit Sprechgesangattitüde auf und erinnert an die Kollegen von The Streets. Wieder ein enorm hoher Coolnessfaktor. Ich friere. Der nächste Star der Platte ist „When The Sun Goes Down“. Ernstes Thema (Prostitution) aber dennoch fröhliche Melodien zum lieb haben. 40 Minuten und 58 Sekunden Saturday Night Rock Fever.

Skippen ist bei dieser Platte nicht. Und es ist jetzt schon sicher, dass „Whatever People Say I Am That´s What I´m Not“ am Ende des Jahres in jeglichen Polls und Abstimmungen in den Top 3 befinden wird. Darauf setze ich fünf Euro. Alles in Allem Coolnessfaktor 10.

www.arcticmonkeys.com

2010/12/14

[Konzerte] Arctic Monkeys - 25.02.2006 - Support: Mystery Jets - Mousonturm/Frankfurt

Was habt ihr so mit Anfang zwanzig gemacht? Ich zum Beispiel habe brav meinen Zivildienst absolviert und andere gaben ihrem G3 erotische Frauennamen. Das ist normal. Vier Anfangszwanziger aus Sheffield hingegen bringen Menschenmassen zur totalen Ekstase. Das ist nicht so normal. Diese anderen sind die Arctic Monkeys.

Eben diese gaben ein Gastspiel im Mousonturm zu Frankfurt am Main. Die Konzertkarten gingen genauso schnell weg, wie ihr Erstlingswerk „Whatever People Say I´am, That´s What I´m Not“, so dass der schöne Theatersaal des Mousonturms schon Wochen vorher ausverkauft war. Hype sei Dank. Wer noch Tickets wollte, musste schon mit einem dickeren Geldbündel vor der Halle erscheinen.

Nachdem ich meinen Sitzplatz auf der Empore mit fantastischer Sicht auf den ganzen Saal eingenommen hatte konnte es losgehen. Als Support betraten Mystery Jets die Bühne. Schwierig deren Musik zu umschreiben. Als Hot Hot Heat auf Drogen würde ich es bezeichnen. Das bringt es wohl auf den Punkt. Interessant anzuhören und auf jeden Fall ein Appetizer, um mehr von dieser Combo zu hören.

Nun wartete der ganze Saal auf die vier Jungs aus Sheffield. Wo andere mit Klängen von Mozart und Konsorten die Bühne betreten, bedienen sich die Arctic Monkeys bei Snoop Dogg und betreten die Bühne zu dröhnenden Hip-Hop Klängen. Mit dem Album-Opener „The View From The Afternoon“ wurde auch das Konzert eröffnet und im Saal setzte sofort eine riesige Massenbewegung vor der Absperrung ein. Es wurde gehüpft und getanzt bis sich die Balken bogen.

Es ist bemerkenswert wie unbekümmert sich die Band gibt und wie abgeklärt sie auftreten. Nach den überdimensionalen Verkaufszahlen definitiv nicht selbstverständlich. Kein Zeichen von Arroganz und Überheblichkeit, aber sie wissen was sie können und was sie im Stande sind auszulösen. Alex Turner, Jamie Cook, Andy Nicholson und Matt Helders stehen einfach auf der Bühne und ziehen unbeeindruckt ihr Ding durch. Dies tun sie zwar ziemlich schüchtern zwischen den Songs, aber dafür umso energischer während ihren Darbietungen.

Fast das ganze Album wurde zur Freude der einheimischen Anhängerschaft und auch zur Freude der zahlreich vertretenen (betrunkenen) englischen Anhängerschaft durchgespielt. Bei der Single of the Year „I Bet That You Look Good On The Dancefloor“ ging der Gesang des Frontmanns im Chor der ihm gegenüberstehenden anderen tausend Kehlen unter und als die Massen dann den Anfang zu „When The Sun Goes Down“, nur unterstützt von der Gitarre Turners, sangen, erreichte das Konzert seinen Siedepunkt. Das gespielte Liedgut kommt in der Liveumsetzung immer noch eine Spur schmissiger daher als auf dem Album. Gut so. Mit „A Certain Romance“ beendeten die Affen nach zu kurzen fünfzig Minuten ihr Konzert, um ohne Zugaben hinter der Bühne zu verschwinden. Aber mehr als ein Album haben sie halt leider nicht auf den Markt, so dass eine zweistündige Darbietung gar nicht zu erwarten war. Kurz, aber verdammt gut.

[Konzerte] Arctic Monkeys - 25.02.2006 - Support: Mystery Jets - Mousonturm/Frankfurt

Von der Insel kommt ja zur Zeit der ein oder andere interessante, musikalische Schinken in Richtung europäisches Festland angesegelt und dazu gehören auch die Sheffield-Jungs von den Arctic Monkeys. Nachdem sie kürzlich ganze 3 der begehrten NME-Awards abgeräumt hatten, war der Hype um die junge Truppe perfekt: Das Konzert in Amsterdam war nach 3 Minuten restlos ausverkauft und auch für das Konzert in Frankfurt war seit Monaten keine Karte mehr regulär an Vorverkaufsstellen zu ergattern. Da verstand es sich ganz von selbst, daß gerissene Händler die jungen und zahlungsbereiten Fans das ein odere andere Scheinchen für ein Ticket entlocken konnten. Preise zwischen 60 bis 100 Euro für eine Karte waren durchaus drin und wurden sogar bereitwillig bezahlt.

Ich hatte das Vergnügen 5 Meter unter dem obrigen Berichterstatter das Konzert aus dem Blickwinkel des Pöbels miterleben zu dürfen und schon vor dem Konzert war klar, daß viele besoffene Briten den Weg in den Mousonturm gefunden hatten, um der Beatlesähnlichen Manie zu fröhnen. Ein bunter Kulturmix eben.

Gegen 21 Uhr betrat die Vorband Mystery Jets aus London die Bühne und sorgten musikalisch gesehen für eine passende Unterstützung des Hauptacts: Erfrischende Musik, extrem verspielt und ziemlich verrückt - Ein singender, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard spielender Lockenkopf mit einer chaotisch wirkenden Truppe liessen die Köpfe nicken.

Nach einer von Pfiffen der ungeduldigen und musikhungrigen Zuschauermeute begleiteten Umbaupause und einem Snoop Dogg - Intro betraten die Arctic Monkeys schliesslich die Bühne und zeigten mit "The view from the afternoon" mal direkt wo der Hammer hängt. Beim Blick auf die Bühne kam man sich irgendwie vor, wie auf einem lokalen Bandwettbewerb, nur dass diese Band hier ein paar "wenige" Ligen höher spielt. Der Masse wars egal - sie geriet in Extase, rastete aus, sang mit, fiel hin und raffte sich wieder auf die Beine. Nachgelegt wurde mit "I bet you look good on the dancefloor" und wirklich jeder Freak sang mit, was den Liedtitel Wahrheit werden liess. Unfassbare Stimmung, die auch die Jungspunde nicht kalt ließ. Gleich zu Beginn bekam Sänger Alex Turner eine Gummibärchentüte gegen die Birne gepfeffert, aus der er sich direkt bedient und auch seinen Kollegen freundlicherweise ein Paar anbietet, die jedoch dankend ablehnen - man bleibt doch lieber bei Fish und Chips...

Nach und nach arbeitete man sich durch das aktuelle Hitalbum durch und bei "When the sun goes down", wo wirklich jeder im Saal mitsang, war Gänsehautatmosphäre garantiert. Ganz, ganz großes Kino, welches jedoch schon nach etwas über 45 Minuten mit "A certain romance" und ohne Zugabe seine Vorhänge schliesst und einige verdutzte Fans einige Minuten ratlos vor der Bühne zurücklässt.

Fazit: Geniale, aber kurze Livedarbietung mit unfassbarer Energie und einem richtig schön mitgehendem Publikum, in dem es sicherlich den ein oder anderen Fan(atiker) gegeben hat, der sich am Ende ein wenig über die 100 Euro für 50 Minuten am Kopf gekratzt haben dürfte.