Posts mit dem Label Soulfly werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Soulfly werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2010/12/15

[Platten] Soulfly - Dark Ages

ImageSoulfly, Soulfly und nochmal Soulfly. Anderthalb Jahre nach "Prophecy" folgt nun The dark ages, welches wesentlich abwechslungsreicher als sein Vorgänger dahergeschreddert kommt. (Soulfly bewegen sich mit jedem Output immer auf einem recht hohen Niveau, deshalb sind alle Meckereien anders zu bewerten, als bei anderen Bands). 

Wie man es so schön an den Zahlen hinter den, nach dem Bandnamen betitelten, Instrumentalen ablesen kann, befinden wir uns beim fünften Album in der Post-Sepultura-Phase und was nach dem zweiten Album immer mehr nachlies, die berühmt berüchtigte Experimentierfreudigkeit von Kopf Max Cavalera, ist im Jahre 2005 wieder erwacht.

Diesmal gibt es, getreu dem Titel, eine Menge was den Brasilianern auf den Senkel geht, und dementsprechend geht es nicht gerade zimperlich zur Sache. The dark ages scheint ein verlorengeganges Bindeglied zwischen "Arise" und "Chaos A.D." zu sein. Geknüppel und Getrashe vom feinsten, dazu die brutalsten Gegrunzer seit dem "Procreation of the wicked"-Cover. Und dennoch wird das Rad der Zeit nicht zurückgespult, finden sich doch immer wieder liebevolle (oder vielleicht auch hassvoll) Details, die beweisen, dass da noch einiges geht.

So beschliesst sich beispielsweise "Frontlines" nach einem tonnenschweren Monsterriff mit einer Sequenz aus akkustischen Gezupfe und Helikoptern, die Erinnerungen an "Platoon"-ähnliche Kriegsfilme herausbeschwört. Der "Riotstarter" hört sich stark nach Prodigy!!! an und das überflüssige und industriallastige "(The)March" kokettiert mit den fast vergessenen "Nailbomb". "Innerspirit" wird man demnächst in mancher Rock-Disko wiederfinden und das bereit angesprochene "Soulfly V"-Instrumental platziert sich nun auf Platz eins der Soulfly-Instrumentale-Chartshow.

Hammerbrett, abwechslungsreich, roh und trotzdem modern. Interessant.

[Platten] Soulfly - Prophecy

ImageWenig bescheiden nennt Cavalera sein mittlerweile viertes Werk unter der bunten Soulfly-Flagge "Prophecy" und verpasst sich damit im Alleingang den Rang einer Vier-Sterne-Küche.
Ob die Songs dem Titel wirklich gerecht werden, bleibt mal so dahin gestellt. Was aber offentlichsichtlich ist, eine völlig runderneuerte Küchen-Mannschaft im Rücken (nachdem sich Cavalera vom alten Gitaristen und Bassisten trennte, haute Roy Margera, seines Zeichen Kesselrührer bei Soulfly, gleich mit ab), scheint der Schreimeister aus Brasilien musikalisch immernoch Chefkoch Nummer eins zu sein. 

Während die ersten drei Titel des Albums musikalisch noch aus "Chaos A.D." und "Roots" Teig gebacken scheinen und sich somit langweiligerweise auf der Ebene Hausmannskost, nicht schlecht, aber kennt jeder, einpendeln, geht es beim anfänglichen Arschtreter "Mars" doch sehr besinnlich und groovig zu Werke. Ab diesem Titel scheint das Treffen der anomymen Metalexperimentierer eröffnet zu sein.

"I believe", kommt trotz seinen fast spirituell gewürzten Zwischenteilen, noch relativ "Ideal Standard" rüber, bevor uns die kulinarische Trackliste mit "Moses" und seinen Reggae- und Tröten-Sounds in ferne Länder entführt. Nach spätestens zwei Minuten wandert mein Finger unaufhörlich in Richtung CD-Player um den Ober zu winken und das Lied abzubrechen. Exotische Gewürze, sind ja schön und gut, aber sollten sie immernoch sinnvoll eingesetzt werden. Wenn man diesen Brocken verdaut hat, geht es im nächsten Gang, mit "Tribalmetal" wieder einmal mit einem Klacks altbekanntem weiter. 

Zum Dessert dachte sich der Chef de Musique noch ein Schmankerl aus, dass in dieser Art jedoch eigentlich schon den Besuchern der beiden Vorgängerkongressen "3" und "Primitive" vorgesetzt wurde. "Soulfly IV, erinnert an Part "III" und "II" und in "Wings" kommt die gleiche Sängerin, diesmal jedoch als alleinige Herrscherin des Songs, wie in "Prophet" und "Tree of pain" zum Einsatz.

Insgesamt bleibt anzumerken, dass es immer wieder ein Genuss ist bei Herrn Cavalera zu speisen, dennoch darf ich nicht verschweigen, dass er trotz seiner teilweise recht ausgefallenen Kombination der Musikzutaten, im Grunde genommen nichts neues brutzelt. Positiv anzumerken jedoch, wer das Restaurant Soulfly kennt und schätzt, dem wird sich garantiert nicht der Magen umdrehen, kommt es doch wieder zur Beimengung vieler metallhaltiger Kost, die besonders bei Metal-Kids für einen geregelten Wachstum sorgen und garniert mit den exotischen Früchten aus allen Herren Ländern, bleibt die Speisekarte immernoch etwas besonderes. Seine vier Sterne muss er nicht wieder abgeben, obwohl mir persönlich das "Primitive"- Treffen in bisher unschlagbarer Erinnerung geblieben ist.

2010/12/14

[Konzerte] Soulfly - 16.03.2006 - Support: Junkhead - Centralstation/Darmstadt

Wie fast jedes Jahr macht Max Cavalera mit seiner stetig wechselnden Musikcombo Soulfly einen Abstecher nach Deutschland. Für mich ein Pflichttermin, da sowohl die aktuelle Platte "Dark Ages", als auch die Livequalitäten der Band einen Ausflug nach Darmstadt gerechtfertigen dürften. 
Also tuckert man in Richtung Centralstation und freut sich schonmal auf das was kommen mag, muss jedoch nachdem man sich durch den Erlebnissparcour von jugendlichen Alkleichen und diversen Kotzflecken gekämpft hat feststellen, daß der eigentliche Support Raunchy nicht den Weg in die Centralstation geschafft hat. Einspringen mussten die Frankfurter Jungs von Junkhead, für die es mich besonders gefreut hat, da sie live wirklich einiges zu bieten haben und doch recht gut in das Ambiente passen.

Erschreckend wie immer auf Soulfly - Konzerten auch die Merchandisepreise, die für diverse "Qualitätsprodukte" verlangt werden: 60 Euro für einen Pulli und 50 für ein Longsleeve sind angesichts der schon hohen Ticketpreise mehr als unverschämt. Aber die vernebelten Fans kaufen trotzdem fleissig - denn Mutti schaufelt ja bereitwillig und gern die Kohle in die Tasche von Soulflys einziger Konstante, Mr.Cavalera.

Nun aber zu den wesentlichen Dingen des Abends, denn Musik wurde ja auch noch gespielt. Nach kurzem Intro entert der Vierer die Bretter und legt mit "Babylon" und "Prophecy" die Messlatte gleich zu Beginn schön hoch. Das Publikum rastet aus und feiert die Truppe frenetisch ab. Nach und nach reihen sich "Tribe", "Born again anarchist", "Mars", "Frontlines", "Inner spirit", "Jumpdafuckup/Bring it", "Back to the primitive", "Seek and strike" und natürlich auch die obligatorischen Sepultura-Knaller "Refuse/Resist", "Roots, bloody roots" und "Mass Hypnosis" in die Fratzengeballervorstellung ein. Da darf natürlich auch nicht ein Stück aus der Nailbomb-Aera fehlen, die mit "Wasting away" auch hervorragend abgedeckt wird. Nach etwas über einer Stunde der Hitpräsentation und einer schicken Drumsession mit einem Soulfly-Fan auf der Bühne gibt die Truppe mit "Eye for an eye" noch eine Zugabe, ehe sie sich von der Bühne verzieht. Letztendlich dauert das Gebretter auf der Bühne knappe 75 Minuten, was aber sogar teilweise für die moshfreudige Menge einfach eine Nummer zu schnell zum Abgehen war. Mir gefiel es jedoch aus sicherer Entfernung herrlich, was sicherlich auch an der langhaarigen Person hinter mir gelegen hat, die zum Ende des Konzertes hin - wo es wirklich schwitzig wurde - durch das ständige Headbangen für durchgehend kühle Luft sorgte.

Fazit: Wieder einmal eine gelungene Vorstellung der Baller-Combo mit einer Setlist, die wirklich absolut keine Fragen offen ließ. Dazu kam noch ein fetter Sound und die Erkenntnis, daß das Parkhaus der Centralstation eher dem irrenhausähnlichen Gebäude aus "Asterix erobert Rom" gleicht und so manchen Fahrzeughalter auf dem Weg zu seinem Auto zur völligen Verzweiflung führen kann...