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2010/12/16

[Platten] The Rifles - No Love Lost

ImageDamit sich ein Sommer Sommer nennen darf, bedarf es erstens durchgehend Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30 Grad und zweitens benötigt er ein gescheites Sommeralbum. Ein Sommer ohne Sommeralbum ist kein Sommer. Aber was braucht so ein Sommeralbum? Ganz einfach: Es muss einen schönen Sommertag zu einem perfekten Sommertag machen. 

Beispiel: Man liegt irgendwo in der Sonne und lässt es sich richtig gut gehen. Das ist ja alles schön und gut. Aber wenn dann noch das Sommeralbum in den Ohren dudelt ist doch alles noch ein bisschen besser. Verstanden?

The Rifles sind Luke Crowther, Joel Stoker, Rob Pyne und Grant Marsh. 2003 gründete sich die Band und im frühen Jahr 2004 hatten sie ihren ersten Auftritt im Londoner Bull & Gate-Club. Ausverkauft. Selbstverständlich. Die NME titelte daraufhin folgendes: The Rifles sind die seit Jahren erste Band mit Londoner Postleitzahl, die es wert ist, sich ihren Namen auf dem Herzen eintätowieren zu lassen. Nun gut. Man kennt die englische überschwängliche Musikpresse.

Aber nun mal zum Wesentlichen. The Rifles orientieren sich mit ihrer Musik an ihren Kollegen, die schon etwas früher über den Kanal gekommen sind. Kaiser Chiefs, Arctic Monkeys und Maximo Park lassen grüßen. Aber das ist alles andere als schlimm weil es sich dabei natürlich um hervorragende Musikkapellen handelt.

Und welches Tempo die vorlegen. Es ist geradezu angsteinflößend in welcher Dichte tanz-, mitsing- und hitfähige Stücke diese Platte frequentieren. In „One Night Stand“ wird derselbige besungen und trotz Bedenken als durchaus zulässig erklärt: Nothing wrong with that it's only one night and nothing else/Everytime I tell myself it's the last time/One day I'll retire, just not tonight. Aber der Song ist alles andere als ein One Night Stand. Denn man will ihn wieder und wieder hören und am liebsten gleich heiraten. Herrlich erfrischende Gitarrenmusik mit dem bestimmten Einschlag an Pop, den es benötigt um auch genreübergreifend Erfolg zu haben.

„Local Boy“ ist das einprägsamste Stück von „No Love Lost“. Hier ist kein Entkommen möglich und es überkommt einen nur ein Gedanke: Wo ist die Tanzfläche? In „Peace and Quiet“ geht es etwas langsamer zu, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Hier handelt es sich um die Geschichte eines Mannes der mal Ruhe vor seiner Freundin haben will. Wer kennt das nicht? Die restlichen Tracks des Albums sind bis auf „ Spend Lifetime“ und „Narrow Mindes Social Club“, bei denen die Akustikgitarre den Vorrang erhält, alle aus demselben Holz geschnitzt. Ein feines Scheibchen haben die Engländer da also abgeliefert.

Und was ist jetzt mit dem Sommeralbum? Ohne Wenn und Aber ist „No Love Lost“ in der Lage einen schönen Sommertag zu einem perfekten Sommertag zu machen…

www.therifles.co.uk

2010/12/15

[Konzerte] The Rifles - 22.03.2008 - Support: Jersey Budd - Charlotte/Leicester

Was hatten The Rifles mit No Love Lost im Jahre 2006 für ein Sommeralbum abgeliefert. Hymne über Hymne. Man konnte sich nicht satt hören. Um den zweiten (eventuellen) Geniestreich der vier Londoner vorzustellen gastierte die Band im altehrwürdigen Charlotte, welches komplett ausverkauft war. Kein Wunder, hat die Band es doch geschafft ein paar Wochen vorher das sehr viel größere Sheperds Bush Empire in London zu füllen. Da ist es umso schöner diese Band in einem kleinen intimen Rahmen zu erleben.

Die Show wurde mit einem Appetizer zum neuen Album eröffnet. „Talking“ konnte man sich netterweise schon seit ein paar Wochen kostenlos auf der myspace-Seite der Band herunterladen. Und das haben offensichtlich auch einige getan. Denn textsicher, als ob der Song schon zum Standardrepertoire der Band gehören würde, sang die Menge Wort um Wort mit. „Talking“ wurde von Zane Lowe bei Radio 1 zur besten Single aller Zeiten gekürt. Natürlich übertreiben die Engländer auch gerne. Aber gut ist sie alle mal und zeigt, dass The Rifles da weitermachen wo sie aufgehört haben. Catchy, flotter Britpop der sich nicht an die vielen anderen zurzeit erfolgreichen Bands anlehnt.

No Love Lost wurde fast komplett durchgespielt und die Setlist wurde mit neuen Tracks wie „I Could Never Lie“, „Romeo & Julie“, „Toerag“ und „Great Escape“ gemischt, die alle durchweg positiv aufgenommen wurden und großes erwarten lassen. Zu den No Love Lost Tracks muss eigentlich kaum mehr irgendwas erwähnt werden. „Local Boy“, „Peace and Quiet“ und „One Night Stand“ haben auch nach zwei Jahren nichts von ihrem Mitreißfaktor eingebüßt und wurden gebührend gefeiert. Das Ganze führte dahin, dass der Saal zum Ende des Konzerts ein geschlossenes „Leicester, Leicester, Leicester“ anstimmte. Und das heißt es war gut.

[Konzerte] The Rifles - 06.02.2007 - Support: Fertig, Los! - Batschkapp/Frankfurt

Normalerweise sind die Gläser in Frankfurt geriffelt. An diesem Abend war es jedoch die Musik die geriffelt war, denn The Rifles aus London beehrten die Batschkapp zu Frankfurt am Main. Die Freude auf dieses Konzert war riesig, da die Rifles mit „No Love Lost“ eines der Top-Alben des Jahres 2006 vorlegten und ich auf die Liveumsetzung gespannt war.

Kommen wir mal ohne großes Vorwort zur Vorband. Die hieß Fertig, Los!. Diese bayerische Band kann sich mehr oder weniger als Klon von Virginia Jetzt bezeichnen. Seichter Deutsch-Pop ohne großen Tiefgang. Textlich wie auch musikalisch. Nur der Song „Ich kann dich hören“ blieb mir im Gedächtnis und kann als gelungen bezeichnet werden. Aber ansonsten hatten die Bayern einen schweren Stand in Hessen, was ihnen auch ein Zuschauer mit nicht enden wollenden Zurufen klar machte. 

Zum Hauptact war die Batschkapp dann auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Ohne viel Schnick-Schnack und nur unter dem Jubel von hunderten Musikliebhabern kamen die vier Londoner alias The Rifles dann auf die Bühne. Als Opener des Abendprogramms wurde „She Got Standards“ auserkoren. Welch famoser Start eines grandiosen Abends. Es reihte sich Perle an Perle. Die Liveumsetzung stand dem Album also in nichts nach. 

Ob es sich nun um das etwas balladiöse „She´s The Only One“ oder das unschlagbar schmissige „Local Boy“ handelte. Es waren begeisternde Darbietungen, was mit einer tanzenden Masse vor der Bühne belohnt wurde. Rob Pyne, Luke Crowther, Grant Marsh und Joel Stoker begeisterten aber nicht nur mit ihrer tollen Musik. Auch ihre sympathische Bühnenpräsenz wusste zu gefallen. Konversation und Nähe zum Publikum sind genauso als deren Stärken zu bezeichnen, wie ihr unverwechselbarer Sound. Heiß wurde es. So heiß, dass sich Joel Stoker genötigt sah sich seiner Lederjacke zu entkleiden. 

Das komplette Debütalbum wurde ohne Ausnahme heruntergespult. Und auch einige B-Seiten, die nicht den Weg auf das Album nahmen, wurden dargeboten. „Holiday In The Sun“, „Rat Race“ und „No Love Lost“ seien da zu nennen. Nach ungefähr einer Stunde Spielzeit und einer ungeplanten Zugabe zur Zugabe war dann leider Schluss. Es gibt Konzerte bei denen sehnt man das Ende herbei, weil einem die Beine wehtun, das Shirt verschwitzt ist und man dringend aufs Klo muss. Aber es gibt auch Konzerte, die könnten stundenlang weitergehen. The Rifles gehören zu der letztgenannten Kategorie.