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2010/12/16

[Platten] Incubus - Light Grenades

ImageLange hat es gedauert, bis Incubus mit dem nun erschienenen Longplayer zufrieden waren. Fast ein ganzes Jahr wurde nach ausgiebigem Touren geschreibselt, eingespielt, verbessert und gestrichen. Jetzt ist es also da: Das sechste Album der Band um Brandon Boyd. Und wie immer weiß die Combo zu überzeugen. 

Nachdem ich mir die neue Scheibe einige Male angehört hatte, war ich noch nicht wirklich angetan von dem neuen Werk. 'Was nicht ist kann ja noch werden', dachte ich mir – und so kam es dann Gott sei Dank auch: Nachdem ich mich ein wenig ausgiebiger dem Silberling gewidmet hatte kam die Überzeugung, daß das Album doch sehr gelungen sei und sich durchaus nicht hinter den Vorgängern verstecken brauche. 12 Granaten sind aber - um es schonmal vorweg zu nehmen - trotz des Albumtitels nicht vorzufinden. 

Mit 'Quicksand' schlägt man zuerst in eine sehr psychedelische Sparte und der aufmerksame Hörer fragt sich, ob dieser Track als Intro wirklich geeignet ist und man den Opener doch nicht hätte als Interlude für zwischendurch verwenden sollen. Die korrekte Übersetzung des Titels ist „Treibsand“ und diese Bezeichnung ist durchaus trefflich. Nach ersten Bedenken gelingt dann aber der Übergang zum ersten Knaller 'A kiss to send us off' hervorragend und das Stück kann sich vollends entfalten. Ein richtig guter Hit, der ein wenig an 'Meglomaniac' vom Vorgängeralbum erinnert und definitiv schonmal zu Beginn der Scheibe ein Ausrufezeichen setzt. Wie es scheint, hat es sich gelohnt, ein wenig mehr Zeit als sonst in das Album zu stecken. 

Nach ersten harten Stück der Platte folgt mit 'Dig' ein Midtemo-Track, der mich nicht wirklich mitreißen kann, was sich aber beim nächsten Lied 'Anna Molly' komplett ändert. Der Song war ja vorab schon als Videoauskopplung zu begutachten und diesen Track vorweg zu schicken war auf jeden Fall eine gute Wahl, da er die Seele des Albums ziemlich gut wiedergibt. Zu Beginn erinnert es doch stark an die Red Hot Chilli Peppers, entfaltet dann aber seine ganz eigenen Qualitäten und vorbei scheinen die Zeiten, als Incubus-DJ Kilmore die Turntables zum routieren brachte. Nun gesellt er sich ans Keyboard, Klavier oder in diesem Falle an die Zither. Mit 'Love hurts' folgt wieder ein ruhiges Stück des Albums, kann aber durchaus überzeugen.
Anschließend folgt mit 'Light grenades' der Namensvetter des Silberlings. Wieder ein Zanzflächenkracher der schnelleren Gangart. Kommt ziemlich chaotisch daher und ist mit nicht einmal zweieinhalb Minuten einer der kürzesten Songs der Platte. Es überrascht generell, daß bei diesem Album fast kein Lied die 4-Minuten Marke knacken kann - für Improvisationen wird man sich dann wahrscheinlich live noch genügend Zeit nehmen. Mit 'Earth to Bella Part 1', 'Oil and water' und 'Diamonds and coal' reihen sich danach wieder 3 Stücke der ruhigeren Sorte in das 12-Gänge Menü ein. Damit bricht man zum ersten Mal die Wechsel zwischen ruhigen und rockigen Songs auf dieser Platte. Fast scheint es, als hätten sie sich bei dem Lied 'Light grenades' ein wenig zu sehr ausgepowert. Bei 'Rogues' kommen sie dann jedoch wieder etwas zu Kräften und gehen ordentlich nach vorne. Gehört aber meiner Meinung nach nicht zu den stärksten Stücken der Platte – der Ohrwurmcharakter, der die Lieder von Incubus sonst ausmacht fehlt hierbei einfach.

Nun geht es in Richtung Endspurt. Den Anfang der letzten 3 Lieder macht 'Paper shoes'. Wieder ein Midtemo-Song, den man sich abends zum Einschlafen geben könnte – eher minder Partytauglich. Fast am Ende versteckt sich dann mit 'Pendulous threads' noch ein richtiger Diamant. In allen Belangen ein sehr starker Track. Was jedoch das 'Earth to Bella Part 2' - eine abgeschwächte und leicht psychedelische Form des Vorgängerliedes - am Ende noch soll, ist mir mehr als rätselhaft. Passt aber auch irgendwie zum recht wahllosen Anfangstrack.

Im Großen und Ganzen ist Incubus mit dem neuen Album mal wieder ein ganz großer Wurf gelungen. Überzeugte Incubus-Fans dürften mehr als zufrieden sein und auch tanzwütige Musikfans werden in den nächsten Wochen und Monaten sicherlich den ein oder anderen Track der Platte in der Disco ihrer Wahl zu hören bekommen. Schön gemacht Jungs!

2010/12/14

[Konzerte] Incubus - 12.04.2004 - Support: Hundred Reasons - Jahrhunderthalle/Frankfurt

Wir schreiben den 12. April im Jahre 2004. Frankfurt schlummert dem kommenden Sommer entgegen und alle die nicht warten wollen, dass es der Sonnengott wieder gut mit ihnen meint, pilgern gemeinsam zur Jahrhunderthalle nach Höchst um wenigstens akustisches Strandfeeling geniesen zu können. An der Halle angekommen fallen einem erstmal die vielen und brav in einer Reihe stehenden Girlies mitsamt ihren fünf Jahre älteren Freunden ins Auge. 

Drinnen bietet sich für einen knapp 1,90 grossen Konzertbesucher ein überraschendes Bild, freier Blick auf die Bühne, weil alle übrigen Besucher eher so um die einssechzig und auch dementsprechend jung sind. Schon allein daran kann man sehen, wie die fünf "Darüberlieger" durch ihr mittlerweile fast drei Jahre zurückliegenden "Morning View"-Album an Popularität dazugewonnen haben. Um kurz nach halb neun, also recht pünktlich, entern Hundred Reasons die Bühne und leiern in ner knappen halben Stunde ihr Set runter. Der Bandname ist nicht einmal schlecht gewählt. Seit ihrem Auftritt kenn ich hundert Gründe mehr diese Band nicht anzuhören. Langweilig, weil eintönig. Gähnfaktor hoch zehn. Und warum der Bassist nach jedem Lied sein Instrument wechselt bleibt mir bis heute völlig schleierhaft. Ausser den ersten beiden Reihen scheint der grösste Teil des Publikums auch eher gelangweilt und sowieso nur für Incubus gekommen zu sein, was ist da schon so ne poplige Vorgruppe, ausser ein Hindernis. Immerhin war der Sound sehr fett.

Nun ist der Spuk vorbei und die Hauptgruppe lässt sich dermassen lange Zeit, dass sich bestimmt die ersten kleinen Mädels gen Heimat aufgemacht haben, weil sie dachten, dass da nichts mehr nachkommt und sich immernoch verwundert über so ein Rockkonzert die Köpfe reiben.
Satte 35 Minuten später, eigentlich eine Frechheit, steht die Band vor einem schwarzem Backdrop, durch das weisse Birnchen glühen und geben mit "Megalomaniac" kräftig Gas.
Ab dann mutiert der Auftritt in eine Art Live-spontan-Session, war es sicherlich nicht, kam aber so rüber. Der Schwerpunkt liegt hierbei eindeutig auf dem neuen Album, wobei auch "A certain shade of green" oder aber der Lieblingssong aller Zahnspangenmädels "Wish you were here" zu vernehmen sind.

Denen dürfte es sowieso reichlich komisch vorgekommen sein, was ihre vergötterte Band, denn da ablieferte. Minutenlange, psychedelisch angehauchte Gitarren- und Drumsoli sind an der "Abendordnung" und verleihen der gesamten Veranstaltung einen angenehmen und eher unerwarteten Charakter. Zwischendrin schnappt sich der Bassist dann auch schon mal ein paar Drumsticks und greift dem Haupttrommler unter die Arme. Unter dem wilden Haufen steht Michael Einziger und lässt, trotz vorhandenem Mikro, seine Gitarre und die dazugehörigen Effektgeräte für sich sprechen oder eher quietschen. Was dieser, eher schüchtern wirkende Kerl, aus seinem Instrument herausholen kann, ist echt phänomenal.
Die Stimmung in der Halle ist eher gespalten, während das vordere Drittel aus dem Häuschen ist, steht der Rest entweder mit offenem Mund da oder geht sich noch eine Brezel am Imbissstand kaufen. Als Brandon Boyd noch seinen Oberkörper entblösst, sind wenigstens auch noch die kreischenden Mädels auf ihre Kosten gekommen. Wie auch immer, knapp 1,5 Stunden Livespektakel, zwei Zugaben und nach "The Warmth" ist Schluss.

Zurück bleibt nur die Frage, ob die gebotene Darbietung nun gut war oder nicht. Wer für die Incubus gekommen war, die man von ihren Alben her kennt, war sicherlich enttäuscht, weil viele Kracher ("Drive", "Nice to know you" oder aber "Privilege") gänzlich ignoriert worden sind. Für alle anderen wurde hier ne überaus geile Liveperformance abgeliefert, die deutlich macht, dass die Band noch einiges im kreativen Petto hat und längst nicht mehr in "Morning View" Dimensionen denkt.