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2010/12/17

[Platten] Pillow Fight Club - About Face And Other Constants

ImageVier Jahre ist es mittlerweile her, dass die Neu-Isenburger Truppe Pillow Fight Club mit Heart-shaped bombs ihr Debütalbum in den Frankfurter Raum geworfen hat. Es folgten vier Jahre intensiven Tourens durch ganz Deutschland und bei Supportshows für Amanda Rogers, The Audience oder auch Fight like Apes machte man sich auch über die Rhein-Main Grenzen hinaus einen Namen. Nun steht mit About face and other constants ein neues Werk in den Startlöchern der Kissenfirma und nach mehrmaligen Durchläufen wird klar: Da geht einiges.

Mitte September konnte man sich in den Frankfurter Hazelwood-Studios bereits ein Bild vom neuen Material machen. Damals bot die vierköpfige Band um Sängerin Valentina ihr neues Material in ganzer Fülle dar und gab Interessenten zudem die Möglichkeit sich die neue Scheibe bereits mit nach Hause zu nehmen. Die Erwartungen waren bei mir relativ hoch: Wie hat sich die Band in den letzten  Jahren entwickelt? Wohin geht die neue musikalische Reise und wie klingt das neue Produkt?

Im Hinblick auf ihren Vorgänger scheinen PFC auf About face and other constants ihren gewissermaßen jugendlichen Leichtsinn gegen eine gehörige Prise Professionalität eingetauscht zu haben. Die Songs klingen wesentlich reifer, überlegter und die gute Produktion aus dem Hause Hazelwood bestärkt den Verdacht noch zusätzlich. Gitarren-Indie-Pop, gepaart mit dem auf Platte stark herüberkommenden Gesang von Valentia und dem Einsatz von Keyboards an den richtigen Stellen führen dazu, dass man sich mit dem neuen Album eine recht ansehnliche Visitenkarte erstellt hat.

Wer PFC vorher schon dufte fand, wird auch mit dem neuen Material mehr als gut zurechtkommen. Wer sie noch nicht kannte, wird mit Stücke wie „Not Interesting“, „Try to lose again“ und „Some other song in a lightyear“ seine helle Freude haben. Zwar wollen Stücke wie „Into the outside“ oder „This is your song“ bei mir nicht wirklich zünden, trotzdem gibt’s für die neue Scheibe eine sehr gute 7 von 10.

Homepage von Pillow Fight Club
VÖ: 06.11.2009 auf Hazelwood Vinyl Plastics

2010/12/15

[Konzerte] Big Bum Chak Festival - 21.09. bis 27.09.2009 - Hazelwood Studios/Frankfurt

Frankfurt am Main hat ein neues Baby.  Dieses Jahr fand zum ersten Mal im Stadtteil Rödelheim das siebentägige Big-Bum Chak – Festival statt, welches zahlreiche Bands aus dem In- und Ausland vereinte und gemeinsam auf die Bühne bat. Zudem stand das BBC als Vorbote einer Konzertreihe in den Hazelwood-Studios, die ab nun jeden Freitagabend ein Konzert in ihren heiligen Hallen präsentieren werden. Benzol war für euch an zwei Tagen des Festivals vor Ort und schickt sich an, in Folge das Erlebte an euch heranzutragen. 

Donnerstag: 24.09.2009 ---- Pillow Fight Club/Spurv Laerke/ Morning Boy -----
Die Hazelwood Studios sind gar nicht so leicht zu finden. Da das nach Industriegebiet anmutende Gelände rund um die Studios mal schnell zum Irrgarten werden kann, trafen wir gegen 8 Uhr mit einer leichten Verspätung und minimal erhöhtem Frustrationspegel am Ort des Geschehens ein. Die ersten Besucher schienen wir dann jedoch trotzdem zu sein und so blieb genug Zeit sich einmal einen Ersteindruck vom Ort des Geschehens zu machen. Sehr angenehme und ungewöhnliche Atmosphäre, die die Hazelwood Studios bereitstellen: Die Zuschauer befinden sich quasi in dem Raum, in dem Bands ihre Alben einspielen und dieser wiederrum ist schick eingerichtet. Getrennt von einer Glasschabe befindet sich direkt nebenan der Regieraum, der zusätzlich noch mit einigen Lavalampen bestückt ist und einem steifen Arbeitsklima somit die Luft aus den Segeln nimmt. 

ImageNachdem ich die Jungs von Morning Boy zum Gespräch bitten durfte (welches in wenigen Tagen hier in abgetippter Form zu sehen sein wird),  standen eben diese kurze Zeit später auf der Bühne und gaben einen Querschnitt ihrer bisherigen Werke zum Besten. Vor allem die neuen Stücke klingen beatlastiger und wirken in ihrer Atmosphäre verdächtig wie die Musik von Joy Division – keine schlechte Wahl also. Gespickt mit einigen älteren Hits der For us the drifters, for them the bench-EP war die dreiviertel Stunde gut gefüllt und die Resonanz des Publikums gab den Jungs durchaus recht. Bemerkenswert hierbei auch ein wichtiger Punkt, der sich durch das ganze abendliche Programm ziehen sollte: Der Sound war für Clubs in dieser Größenordnung überdurchschnittlich gut. Lediglich am Licht lässt sich noch etwas arbeiten. Die hektischen Wechsel machten die Shows, jedenfalls für mich, teilweise ein wenig (unnötig) anstrengend. Aber alles halb so wild.

Nach einer 15-minütigen Umbaupause standen mit Spurv Laerke schließlich die erste hauseigene Hazelwood-Band aus (ich glaube größtenteils) Dänemark auf der Bühne, die mit ihrer Musik phasenweise stark an Metric aus Kanada erinnerten. Frontsängerin Kristina Kristoffersen glich mit ihren roten Haaren äußerlich zwar nicht übermäßíg der Metric-Frontfrau Emily Haynes, jedoch kam sie in Punkto Mimik, Gestik und vor allem Gesang stark an das kanadische Pendant heran. Wie dem auch sei: Sehr ansehnlicher Auftritt des Fünfers und die geforderte Zugabe zum Ende hin wurde noch einmal mit Aufschlag belohnt. Das Debütalbum On the brink of the big otter der Band ist ab Ende Oktober hier zu bekommen - und auf ihren Konzerten sogar jetzt schon. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall!

ImageDen Abschluss als Headliner machte schließlich mit Pillow Fight Club die zweite Hazelwood-Band des Abends. Diese haben – ähnlich wie Spurv Laerke – vor Kurzem ihr neues Album fertiggestellt und es ebenfalls an diesem Abend zum Kauf angeboten. Live gab es dementsprechend auch nur neues Material auf die Ohren. Die Band spielte es fast gänzlich ohne Stockfehler vor und der Ersteindruck des Albums hinterließ einen fast durchweg guten Nachgeschmack. Die durch den Rauch und die fehlende Belüftung entstandene Hitze machte den vier – ähnlich wie dem Publikum – ordentlich zu schaffen und so wurde nach etwa einer Dreiviertelstunde mit Nova lediglich ein älteres Stück als Zugabe durch die Boxen gejagt. Ein gewohnt souveräner Auftritt der Damen und Herren und für mich ein absolut ordentlicher Einstand in den neuen Hazelwood-Studios. Eine Bemusterung zu ihrem neuen Longplayers About face and other constants findet ihr in Kürze hier bei uns.


Sonntag: 27.09.2009 -- B.E.E.S./Kenneth Minor/Major Parkinson/Cargo City --
Im fernen Rödelheim luden die Hazelwood Studios zum letzten Festivaltag ihres, mit einem extrem feinen Line-Up gesegneten, Big Bum Chack - Festivals. Die Studios selbst waren Clubneuland für mich und nach einigen, dank eines defekten Navis, Umherirrens konnten wir einen Parkplatz direkt vor der Tür ergattern.
An der Kasse erfuhren wir, dass wir anscheinend schon längst drinnen zu sein schienen. Mit einem Kommentar des Kassenmanns "Glaub ich nicht, sind noch nicht so viele Leute da" durften wir letztendlich doch passieren. Die Studios selbst sind eine sehr sympathische Location. Klinkersteine und Veranstaltungsposter an den Wänden. Links von uns flimmern die letzten Hochrechnungen der Bundestagswahl im Breitwandformat. So richtig viel los ist wirklich noch nicht, so um kurz vor acht. Naja, wird schon noch kommen. Und richtig, so langsam füllen sich die doch eher beengten Hallen. Trotz weit geöffnetem Fenster steigen die Temperaturen auf hochsommerliches Niveau. Da auch geraucht werden darf, dauert es nicht lange und die Luft ist zum Schneiden dick.

Die B.E.E.S. eröffnen den Abend mit einer Mischung aus Folk und gemässigtem Rock verfeinert mit einer Menge experimentellen Passagen. Backgroundsängerin Eva  Müller entpuppt sich als Multiinstrumentalistin. Bei "Physical Lie" stolpert sich ein Akkordeon durch das Lied. Bei "Nobody Knows" ist es eine Mundharmonika. Gitarre, Ukulele oder Keyboard. Alles kein Problem für die Dame am linken Rand des Blickfelds. Sänger Benedikt Baum, der nebenbei u.a. auch Sänger/Bassist bei "Low 500" ist, hat sichtlich Spaß an diesem Abend. Der Funke springt aufs Publikum über und aus andächtigem Nicken wird anerkennendes Johlen. Nach einer knappen Stunde und einer Zugabe müssen die B.E.E.S. leider die Bühne räumen. Gute, was rede/schreibe ich da, nein sehr gute Band. 

Mittlerweile lief der Schweiss aus jeder erdenklichen Pore und wir suchten erstmal Schutz im Treppenhaus, damit die dort anwesenden auch etwas von unserem Duft der zwischen Sportstunde und Kneipenabend tendierte genießen konnten.

Während wir die Luft verpesteten, spielen sich drinnen Kenneth Minor warm. Zwar lichten sich die Reihen hier ein bisschen, schlechte Musik hört sich aber dennoch anders an. Einzuordnen sind ist die Deutsch-Amerikanische Band genau wie ihre "Vorband" im Bereich des Folk. Dennoch sind beide Bands nicht wirklich miteinander vergleichbar. Während die B.E.E.S. auf einen hypnotischen, schon fast beschwörenden Sound setzen, kommen uns bei Kenneth Minor Saloonszenarien in den Sinn. Fast schon real sehen wir betrunkene Cowboys durch den Saal tanzen und Biergläser von den nicht vorhandenen Klavieren schießen.  Feine und überaus beschwingte Musik. Außer leichten technischen Problemen, die vom Gitarristen mit einer Michael Jackson Imitation humorvoll überbrückt werden, liefern die Jungs einen ziemlich guten Auftritt ab.
Tja, und dann schlug das harte Los des Nutzers von öffentlichen Verkehrsmitteln zu. Die ewige Antisympathie zwischen Frankfurt und Offenbach, die sich auch in den Fahrplänen von Bus und Bahn wiederspiegelt, führte dazu, dass wir nach Kenneth Minor das Festival verlassen mussten und so Major Parkinson und Cargo City verpassten. 

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass die Hazlewood Studios ordentlich was aufgefahren haben, um das Festival zu einer großen Nummer werden zu lassen. Hut ab im nächsten Jahr sind wir gerne wieder dabei.

[Platten] Pillow Fight Club - Heart Shaped Bombs

ImageIm Grunde sollte man sich das Teil besorgen und gleich selbst mal reinhören. Der Pillow Fight Club ist eine dieser Bands. Eine wüste Mischung aus Punk, Rock und ner Frontfrau, die zwar schön kreischen kann, aber niemals nervig rüberkommt. 

Angepisst und laut ist sie zwar, wirkt aber zu keiner Zeit hysterisch. Vergleiche mit Distillers-Frontfrau Brody Dalle sind nicht zufällig, aber auch nicht richtig treffend. Schwere Sache, dies.

Schon der erste Song "Let me decide", das mit Abstand beste Lied des Albums, gibt richtig Gas, tritt in die sprichwörtlichen vier Buchstaben und ist ohne weiteres für eine friday night dance action zu gebrauchen. Weitere Songs dieses Kalibers finden sich mit dem deutsch/italienischen "Gurkenmenschen from hell" und dem beschwingten "Nova". Den Beweis, das nicht nur geschrien, sondern auch mal ein wenig melancholisch geträllert werden kann, bietet das sechsmütige "Do it". Ausser dem grauenhaft schrägen "Monster in the streets" fällt eigentlich nichts negativ auf. Sicherlich kein Evergreen, aber ich glaube den Anspruch haben die drei (+Drummer) netten Zeitgenossen des Pillow Fight Clubs auch garnicht. Sie wollen Spass machen, wollen laut sein und nebenbei ihre Sicht der Dinge rüberbringen. Dance and go crazy.

Die CD könnt ihr übrigens nur über die Bandhomepage oder auf den absolut sehenswerten Auftritten der Band ergattern. Lohnt sich auf jeden.