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2010/12/17

[Platten] Minus The Bear - Acoustics

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Minus the Bear sind öfter mal für Überraschungen gut. Erst lassen sie das vorzügliche Album "Menos el Oso" von diversen Elektro - Musikern interpretieren und weichen jetzt mit einer Akustik - EP von ihren bewährten Pfaden ab.

Sechs Songs aus diversen Schaffensphasen wurden das neue Soundgewand auf den Leib geschneidert. "Guns and Ammo" gabs noch nirgends vorher zu hören, sowas nennt man in Fachkreisen "Neu". Doch genau wie bei beschriebenem "Interpretaciones" - Album wollen mir die neuen Looks, äh Hears, der Songs nicht wirklich ausnahmslos gefallen.

Bei den langsameren Songs wie etwa "Ice Monster" oder "We're not a football team" geht die Umsetzung vollkommen in Ordnung, orientieren sie sich doch ziemlich am Original. "Pachuca Sunrise" bekommt man weder als "Alias Remix" noch als Akustikversion kaputt. Das Lied bekommt sogar noch nen Zacken mehr Seele.

 Tja und dann kommen "Burying Luck", "Knights" und "Throwin Shapes". Drei Lieder, die von ihrem Drive leben, werden von Jake Snider fast schon schafigen Gesang derart runtergedrosselt, das lahme Versionen entstehen.

Versteht mich nicht falsch, würde ich die Originale nicht kennen, dann wären auch diese drei, sehr schöne Lieder. Gerade "Burying Luck", Piano begleitet, ist wirklich gelungen. Nur die Tempo gedrosselte Stimme ist sehr gewöhnungsbedürftig.

Das Tolle an der Akustiksachen ist, dass die Songs in diesen Varianten nun genau in den Situationen funktionieren, die sie wiedergeben wollen. Klare, sternenreiche Nächte an der Küste. Normalerweise unterschreibe vorbehaltlos alles was mir die Bären aus Seattle vorlegen. Bei "Acoustics" hab ich dann auch noch unterschrieben, diesmal nur eben mit ein paar (wenn auch leisen) Wiederworten.
www.minusthebear.com

(US) - VÖ: 07.10.2008 auf Tigre Blanco

2010/12/16

[Platten] Minus The Bear - Planet Of Ice

ImageDie Jungs von "Minus the Bear" machen es einem nicht gerade leicht. Eben noch mit dem famosen "Menos el Oso" ganz relaxt an rauhen Küstenstränden ausgeruht, zieht es sie im nächsten Moment auf einen anderen Planeten, den "Planet of Ice".

Die Musik der Bären ähnelt dabei weniger der unwirtlichen Berglandschaft auf dem Covers als einem Bordcomputer des Raumschiffs von dem eben jenes vermeintliche Foto geschossen wurde. Zu vertrackt und komplex kommen die Songs daher, als dass man sie auf Anhieb verinnerlichen könnte. Ausser einer Ausnahme (Throwin' Shapes) bekommt man ein komplett anderes Album als den Vorgänger präsentiert.

Viele Songs kratzen an der Fünf Minuten Marke, verschachteln sich, proggen in bester Pink Floyd Manier in der Gegend umher um schließlich im Keyboardgewirr unterzugehen.

Nicht einfach da am Ball zu bleiben. Viele Wendungen der Songs machen die Lieder abwechslungsreich, aber dementsprechend auch nicht eingängig. Wenn man sich das Monster "Lotus" betrachtet, das nach vier Minuten schon erledigt zu sein scheint und sich nach der sechsten mit einem ausufernden Solo noch einmal kräftig ins Zeug legt um den Song schließlich komplett neu aufzubauen und erst nach knapp neun Minuten zu beenden. Oder das dudelnde "Dr.L'Ling". Oder aber das nach vorne gehende "Burying Luck". Das schöne "When we escape" Alles Kunstwerke für sich, denen man Aufmerksamkeit schenken muss, damit einem nichts entgeht.

Jake Snider singt in "White Mystery"  "Each beat, every note played perfectly by you". Ok, so wirklich stimmt das nicht, aber ist schon ziemlich nah an der Wahrheit. Hätten wir bei Benzol ein Bewertungssystem von 1 bis 10, dann wäre das Teil ne lockere Acht. Da wir sowas aber nicht haben, bleibt es ne verdammt gute Platte.


http://www.minusthebear.com

[Platten] Minus The Bear - Interpretaciones Del Oso

ImageZu seligen Schulzeiten konnte ich mit Interpretationen, Analysen oder sonstigen Aufgaben, bei denen es um reine Auslegungssachen ging, nicht wirklich viel anfangen. Kommt es doch viel zu sehr darauf an, als welcher Sicht man die Dinge sieht, und am Ende kann sowieso nicht sagen, ob die Interpretation im Sinne des Schreibers war. Wenn ich die Noten meiner Klausuren betrachtete dann wußte ich sowieso, dass kein Lehrer verstanden hatte um was es mir ging. Außer ein verächtliches Schulterzucken hatte ich für die entsprechende Lehrkraft jedoch nicht übrig.

Ähnlich ergeht es mir mit dem Album "Interpretationes del Oso" von bzw. über Minus the Bear, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Songs des 2005 erschienenen und nebenbei bemerkt, verflucht guten, "Menos el Oso" eben jener Bärenbrüder zu remixen. 

Mir völlig unbekannte Interpreten wie P.O.s., Alias oder Tyondai Braxton tobten sich an ihren Drum-Computern und Mischpulten aus und verarbeiteten die Songs von luftiger Fluffigkeit in teilweise extrem nerviges Elektrogebrabbel (siehe den FOG-Remix von "Memphis+53rd"). Zwei Alben unterschiedlich wie Strand und Fabrikhalle, wie Heidi Klum und Angela Merkel. Zwar bleiben größtenteils die Melodien der Originalversionen im Grundgerüst erhalten. Doch sind diese teilweise so stark ausgebremst worden, dass man sich wirklich durch die Lieder durchquälen muss. 

Am Gesang von Jake Snider kann man glücklicherweise nicht viel versauen, was das Album doch wiederum aufwertet. Zugute halten muss man den Herrn Remixern auch, dass teilweise ganz interessante Lieder entstanden sind. So ist das "Alias Remix" von "Pachuaca Sunrise" oder die Neuinterpretion von "The Game needed me" nicht wirklich schlecht. Nur reichen sie eben nicht an die Qualitäten der Originale heran. Denn Songs wie "Drilling" verändert man nicht, die lässt man so wie sie sind. Wie soll man sonst bei dem ganzen Drum and Bass, Industrial und Elektrogedöns imaginäre raue Küstenstraßen und kreischende Möwen sehen.

Oje, im Endeffekt kommt doch wirklich alles wieder zurück. Jetzt verteile ich Noten für meiner Meinung nach versaute Interpretationen. Wenn ich dafür auch nur Schulterzucken ernten sollte, dann hat sich zumindest in einem Punkt nichts geändert, was auch beruhigend sein kann.

2010/12/15

[Konzerte] Minus The Bear - 27.11.2007 - Support: I Was A Cub Scout - Schlachthof/Wiesbaden

Minus the Bear im Schlachthof. Erschien mir persönlich doch etwas überdimensioniert. Hat die Band innerhalb von zwei Jahren so an Bekanntheit gewonnen, das sie einen kleinen Schuppen wie den Frankfurter Clubkeller (da haben sie 2005 gespielt) gegen die doch recht stattliche Halle in Wiesbaden eintauschen und diese auch noch füllen können? 

Verdient hätten sie es allemal. Ist doch das neue Album "Planet of Ice" wieder die Kirsche auf der Sahnetorte aus der Indie-Bäckerei.

Vor Ort bestätigt sich mein Verdacht, das eine Halle im 1000er Bereich zu viel des Guten gewesen wäre. So steht der Band nur die kleinere Lounge neben der dortigen Bar zur Verfügung. Fassungsvermögen knapp 150 Personen.

Den Anfang machen das englische Duo I was a cub scout. Zwei Nerds, die ihre Musik "Non Synthetic and Synthetic, Sequenced and Non Sequenced" nennen. Hm, logo. Dummerweise bläst das Schlagzeug jeglichen anderen Ton und auch die ersten zehn Zuschauerreihen in den Orbit. Der Auftritt war durch den miesen Sound (sorry, Krach) eher schlecht. Beim MySpace Probehören rangiert die Band in der Kategorie "Geht voll in Ordnung".

Kaum haben die Beiden die Bühne verlassen, betreten Minus the Bear die Bühne, machen kurz Soundcheck und verschwinden Backstage, um gefühlte 20 Sekunden später wieder auf zurückzukommen.
Und schließlich legen sie mit "Burying Luck". Einen besseren Opener hätten die sich fünf Amis nicht aussuchen können. Spätestens beim darauffolgenden "Drilling" fällt die extreme Präzision der Band auf. Ein Schweizer Uhrwerk ist im Vergleich zu dieser Band eher eine Rolex, die man für drei Euro in Italien am Strand kaufen kann. Unglaublich. Würde Jake Snider nicht hin und wieder ein bisschen spät mit seinem Gesang einsetzen, könnte man denken, dass die Musik vom Band kommt. Respekt.

Die Auswahl der Songs ist überaus glücklich. Von "Fine + 2Pts" und  "Spritz, Spritz" als Vertreter der älteren Songs über den "Menos el Oso"-Song "Fix" gibt es vor allem eine Menge Songs vom neuen Album. "Dr L'ling" spielt sich in Rage, "Throwin Shapes" ist einfach ein zeitlos geiler Song, "Knights" mit seinen Ruckelklängen sowieso, "White Mystery kommt im Gegensatz zu den anderen Songs eher langweilig rüber. "Lotus" mitsamt seinem Übersolo, beendet dann schließlich den regulären Teil des Abends.

Lange muß man die Jungs jedoch nicht um eine Zugabe bitten. Und schließlich gibt es noch, für eine Europatour textlich sehr passend, "Absinthe Party at the fly honey warehouse" und den Knaller "Pachuca Sunrise". Unglaublich. Is this a dream? You ask and I don't say anything, cause this might be a dream. 

Ja, ok. Das wäre jetzt doch ein bisschen zu übertrieben. Aber die Jungs haben es nun einmal musikalisch drauf. Da kann man nichts sagen. Immerhin, der Typ neben mir, der seinen Kopf das komplette Konzert auf Dauerrotation ist immerhin ein Grund auch mal über was negatives zu schreiben.