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2010/12/16

[Platten] Gogol Bordello - Gypsy Punks Underdog World Strike

ImageEs gibt Bands, die sind einzigartig in dem was sie tun. Sie grenzen sich entweder durch ihre (Bühnen-)Präsenz, Texte oder eben der Musik von anderen Kapellen ab. Manche kombinieren einfach alles und machen sich dadurch zu Einzeltätern - und das Genreübergreifend. Dazu gehören mit Sicherheit auch Gogol Bordello aus New York. 

Jeder kennt ja die volkstümliche Zigeunermusik: Ein bisschen Fidelei hier - ein bisschen Quetschkommode da und dazu noch die passenden Klamotten - fertig ist der Gypsy. Eugene Hütz - seineszeichen Sänger bei Gogol Bordello fügt dem Ganzen nun mit Hilfe von sieben weiteren Musikern dieser Folkloremusik eine ganze Prise Punkrock hinzu. Und das Ergebnis ist ein geniales Stück Musik. Der ukrainische Immigrant Hütz, der die Band 1999 gründete, ist nebenbei bemerkt kein unbeschriebenes Blatt: Neben Elijah Wood stand er bereits im Film "Everything is illuminated" vor der Kamera, zu dem die Band auch ein musikalisches Stück beisteuerte. Auf dem aktuellen Album verbinden Gogol Bordello nun erneut die musikalischen Traditionen ihrer Heimat mit zum Teil jüdischen Texten und einer gehörigen Portion Punkrock. Eugene Hütz bezeichnit das geschaffene Genre übrigens als "ukrainisches Zigeuner-Punk-Cabaret" - na dann mal Lagerfeuer anwerfen und hoch das Bein!

Das sehr traditionelle "Sally" macht in diesem Falle den Anfang. Nach kurzer Steigerung gibt es kein Halten mehr: Geige, Gitarre, Drums - alles wirbelt durcheinander und verblüfft den Zuhörer. Selten hat sich etwas neues so genial und abgedreht angehört - und so kann es mal gepflegt weitergehen. Und das tut es auch: Obwohl die meisten Lieder mit englischsprachigem Gesang beginnen, wechselt sich schon bald russische, ukrainische oder serbische Sprache ab. Die 15 Tracks der Platte haben noch den ein oder anderen Schmankerl zu bieten, zu denen auch der meiner Meinung nach genialste Track "Not a crime" gehört. Das pure Chaos herrscht und dem Hörer fliegt der ganze Balkan um die Ohren - einfach herrlich! "Immigrant Punk" gehört auf jeden Fall auch zu den strärksten Aufnahmen des Albums, kommt jedoch etwas gediegener daher. Mit "60 Revolutions" reiht sich gleich ein nächstes Highlight ins Gogol-Konzept: Ruhe/Chaos/Ruhe/Chaos...so funktioiert es und der Plan geht auf. "Start wearing purple" und "Think locally fuck globally" überzeugen auf ganzer Linie, jedoch ist es teilweise wirklich schwer, das Gebotene in gescheite Worte zu fassen. Zu skurril und genial klingt das Werk der Amiband. Bei 15 Hits, wo keiner dem Anderen gleicht, ist es natürlich schwer auf jeden einzugehen. Von daher habe ich im oberen Teil einfach mal die Anspieltipps erster Wahl aufgeführt.

Insgesamt ein Album was seinesgleichen sucht. Wunderbar chaotisch und so abgedreht, daß es jeden Hörer mitreißen dürfte. Die Truppe ist übrigens am Ende des Jahres zusammen mit Danko Jones auf Europatour - unter anderem auch in Deutschland. Also den goldenen, geschmückten Anzug einpacken und sich direkt ins Chaos begeben!

www.gogolbordello.com

2010/12/15

[Konzerte] Eastpak Antidote Tour - 21.11.2006 - Schlachthof/Wiesbaden

Langsam wurde es auch mal wieder Zeit, daß im Rahmen einer Eastpack-Tour im Schlachthof zu Wiesbaden wieder kräftig abgerockt werden konnte. Das Line-Up des Abends konnte sich auf jeden Fall sehen lassen und so wurde schon im Vorfeld eine Karte ergattert und die hessische Hauptstadt gestürmt.
Als gegen 19 Uhr die erste Band des Abends eröffnete war noch nicht wirklich viel los in der Halle. Die meisten der Zuschauer hielten sich im hinteren Teil der Halle auf, um sich noch ein wenig mit Flüssigbrot in Stimmung zu bringen und somit hatten es Beduin Soundclash nicht wirklich leicht die Menge in Stimmung zu bringen. Da ich mich zu dieser Zeit auch krampfhaft um das Interview mit Gogol Bordello bemühte kann ich zu der Bühnenshow und einem Großteil der Musik nicht wirklich viel sagen. Es wurde schicker Reggae geboten, der größtenteils an The Clash erinnerte und nach jedem Lied gab es auch ordentlich Applaus von Seiten des Publikums. 

Pünktlich zum Disco Ensemble fand ich mich dann auch in der Halle ein und vor der Bühne war bereits recht ordentlich was los. Zwar war Bewegung im Publikum fast Fehlanzeige, jedoch rockten die 4 Jungs auf der Bühne ordentlich los. Die Finnen spielten größtenteils Lieder von ihrem aktuellen Album "First aid kit" - darunter 'We might fall apart','This is my head exploding' und 'Human Cannonball'. Recht solider Auftritt der jungen Nordlichter und dem Publikum schien es  größtenteils auch gefallen zu haben - jedenfall gab es ordentlich Applaus.
Als nächstes kam dann um viertel vor 10 der erste große Name des Abends auf die Bühne: Gogol Bordello legten los und spalteten das Publikum: Während ein großer Teil der Anwesenden nur entsetzt auf die Bühne schaute und dem geselligen Treiben nicht wirklich viel abgewinnen konnte, ging vor der Bühne zum ersten Mal des Abends wie in einem Hexenkessel zur Sache: Kollektiver Gedankenverlust, wie man es von der Band nicht anders gewohnt ist. Gezockt wurden 'Not a crime', 'Immigrant Punk', 'Start wearing purple', 'Baro Foro', '60 Revolutions', 'Dogs were barking', 'Sally', 'Think locally, fuck globally', 'Mishto' und 'Punk Rock Parranda'. Insgesamt ein sehr solider Auftritt und nach ein paar Zugaben war dann schluss mit lustig. Viele hatten jetzt schon ihre kompletten Kräfte für den gesamten Abend verpulvert und traten gebeutelt den Weg in den hinteren Teil der Halle an. Generell war zu beobachten, daß die Halle nicht wirklich stark besucht war. Trotz des schicken Programmes, welches man an diesem Abend geboten bekam, war es vielen wohl mit knapp 26 Euro schier zu teuer. 

Nach ziemlich kurzer Umbaupause enterte dann der Headliner des Abends die Bretter: Mr. Danko Jones kam mit seinen 2 Kollegen auf die Bühne und legte direkt mit 'Sticky situation' los. War Danko hinter der Bühne noch total schüchtern, legte er nun einen Wandel um 180 Grad an den Tag. Voller Energie und mit heraushängender Zuge gab er der Menge was sie wollte: 'Sticky situation', 'Baby hates me', 'Forget my name', 'Sugar chocolate', 'First date', 'Play the blues', 'Hotdamn woman', 'Invisible', 'She´s drugs', 'Take it all off', 'Sleep is the enemy' uvm. Nach gut einer Stunde ging es in die Pause und nach 'Rock shit hot', 'Samuel sin' und 'White cadillac' verabschiedete man sich gegen kurz vor 12 vom Publikum, welches die Band frenetisch abfeierte - ganz zu schweigen von Mr. Jones himself. Zwischendurch kam dann auch mal der Vater des Bassisten auf die Bühne, der scheinbar seinen Wohnsitz in Wiesbaden hat und leicht überrascht über den großen Szeneapplaus war, der ihm entgegenschlug.

Insgesamt ein absolut genialer Abend mit einem Haufen geiler Bands. Nicht zuletzt Danko Jones haben gezeigt, daß man nach vielen Jahren im Geschäft immer noch 100 Prozent Vollgas geben kann und nicht zwangsweise müde werden muss. Dürfte also jeder auf seine Kosten gekommen sein!

2010/12/14

[Interviews] Gogol Bordello

Im Rahmen der Vans/Eastpack Antidote-Tour hatte ich dieses Jahr das nötige Quentchen Glück auf meiner Seite gehabt, um nebenbei ein Interview mit Eugene Hütz von Gogol Bordello zu führen. Die Senkrechtstarter aus New York, die sich gänzlich dem Gypsy-Punk verschrieben haben, waren zu Gast in Wiesbaden und die Gelegenheit auch ein paar Takte mit dem Chefideologen zu wechseln wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.