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2010/12/16

[Platten] ick Of It All - Death To Tyrants

ImageZum 20-jährigen Jubiläum bringt die New Yorker Hardcorecombo Sick of it all ein neues Werk unter das Volk. Die heute noch erfolgreichen HC-Bands, die nach so vielen Jahren des Bestehens noch am Start sind ohne großartig peinlich geworden zu sein, kann man eigentlich an einer Hand abzählen.
Umso erfreulicher, daß SOIA auch heute noch gradlinige und einzigartige Musik machen - nicht zuletzt dank der Stimme von Lou Koller, der mal wieder den ein oder anderen Anlass gefunden hat, sich textlich in höchstem Maße zu verausgaben.

Im Vorfeld war ja die Spannung groß, wie sich das neue Werk anhören würde - und die Fans dürfte der 4-er aus der Weltmetropole keinen Falls enttäuschten. Den Startschuss setzt das überaus gelungene "Take the night off" gefolgt vom Midtempo-Killer "Uprising nation". Es folgt "Always war", was aufgrund einiger genialer Moshparts überzeugen kann und zwischendurch den Kopf heftigst nicken lässt. Alles im grünen Bereich also! Anschließend reiht sich mit "Die alone" ein 1a Mitgröhl-Track ein, der live sicherlich perfekt ankommen dürfte. Mit "Evil Schemer" folgt ein weiter Moshtrack und bei "Leader" dürfte bei jedem Sick of it all-Fan die Sonne aufgehen - irre schneller Punkrocksong in knappen 70 Sekunden. Mal eben so dahingeballert und hingerotzt - herrlich! Man kommt eigentlich gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, was die doch schon in die Jahre gekommenen Herren da so abliefern. "Forked tongue" und "Faithless" geben einem eigentlich schon den Rest, aber bei "Fred Army" rafft man sich noch einmal auf. Derber Punkschlager, der ebenfalls zum Mitgröhlen einläd. Da freut man sich jetzt schon einmal auf die Konzerte der Combo am Ende des Jahres. Den Schlusspunkt setzt schließlich "Maria white trash", der gemäßigt anfängt, dann aber alles niederreißt, was sich ihm in den Weg stellt!

Was lässt sich also abschließend sagen? Ein Silberling, der wieder einmal beweist, daß Musiker auch noch nach 20 Jahren authentisch rüberkommen können und in der Lage sind geniale Musik zu machen. Druckhafte Drums und die einzigartige Stimme von Lou Koller verwandeln das neue und hoffentlich nicht letzte Werk von SOIA mal eben innerhalb von 34 Minuten in einem Klassiker.

www.sickofitall.com

2010/12/15

[Konzerte] Mach1 Festival - 27.06. bis 28.06.2008 - Montabaur

Vom 27. bis 28. Juni fand in Montabaur das zweite Mach1-Festival seiner Geschichte statt. Benzol war am Freitag mit von der Partie und hat für euch mal einen Tag in das junge und frische Musikevent reingeschnuppert.

Das Mach1 Festival in Rheinland-Pfalz zog an diesem Wochenende wieder einmal einige Zuschauer vor die Bühnen. Den Anfang sollten am Freitagnachmittag zwar Brutal Polka aus Israel machen, jedoch wurde ihr Beginn auf den späteren Teil des Abends verschoben. Folglich durften Staatspunkrott das zweitägige Festival auf der Hauptbühne einläuten. Die vier Jungs legten in 40 Minuten ein ordentliches Punkrockset hin, welches jedoch noch nicht für feiernde Menschenmassen vor der Bühne sorgen konnte. Während sich bei All its grace im Anschluss ein ähnliches Bild vor der kleinen Bühne abzeichnete, gab es bei Shai Hulud auf der Hauptbühne wenig später das erste Mal gereckte Hände und Moshparts. Das Publikum war weitestgehend Textsicher und die Truppe schien das Eis zwischen Musikern und Publikum zum ersten Mal an diesem Wochenende brechen zu können. Sehr solider, 50 minütiger Auftritt der Amis.

Besonders lobend ist an dieser Stelle das Bühnensystem des Mach1-Festivals hervorzuheben. Sobald eine Band ihren Auftritt beendet hatte, legte die nächste Band auf der quasi nebenan liegenden Bühne los. Somit ging keine Zeit verloren und die Umbauphasen konnten für das abchecken anderer Bands genutzt werden. Ein System, was auch hervorragend aufging. Bei Never face defeat machte ich mich kurzzeitig zum Auto, um anschließend pünktlich zu Madball wieder an der Bühne zu sein. Großartiger Auftritt der NY-Veteranen um Freddy Cricien. Viele gute, alte Knaller wie „Set it off“, „Hold it down“, „Can´t stop won´t stop”, „Fall this time“ und “Demonstrating my style” wurden mit Tracks des neuen Albums “Infiltrate the system” gepaart. Dem Publikum schien es zu gefallen und die anfänglich doch recht üblen Soundprobleme wurden im Laufe des Sets behoben.

IImage m Anschluss erfreuten sich Tiny-y-son auf der kleinen Bühne äußerster Beliebtheit. Obwohl die Truppe aus Norddeutschland angereist war, hatte es zeitweise den Anschein als würde es sich für sie um ein Heimspiel handeln. Mächtig Bewegung vor der Bühne, textsicheres Publikum und strahlende Gesichter. Letztendlich ein sehr souveräner Auftritt der Söhne aus Bremervoerde.

Image Comback Kid hatten im Anschluss leichtes Spiel. Eine Stunde lang durften sich die Kanadier auf der Bühne austoben und jagten nach und nach die Hits ihrer drei Alben in die Menge. Auch hier war der Sound zu Beginn mehr als grenzwertig, wurde jedoch im Laufe des Sets in den Griff bekommen. Im Vordergrund standen Songs von ihrem Durchbruchalbum „Wake the dead“ und ihrem aktuellen Longplayer „Broadcasting“. Dem Publikum waren die Lyrics von Comeback Kids scheinbar durchweg ein Begriff und spätestens als mit „Wake the dead“ der Gig sein Ende fand, ging vorne gar nix mehr. Großes Kino. 

Die Umbaupause wurde schließlich mit dem nachgeholten Auftritt von Brutal Polka auf der kleinen Stage gefüllt. Sehr lustiger Auftritt, den ich mir jedoch nur kurz anschauen konnte.
ImageDer Auftritt für Lou Koller´s Truppe Sick of it all war im Anschluss eigentlich nur noch reine Formsache. Seit über 20 Jahren spielen die New Yorker Legenden auf allen Bühnen dieser Welt und die Souveränität war auch an diesem Abend wieder einmal spürbar. Eine Mischung aus altbewährten und neuen Hits wurde vom Publikum dankend in Empfang genommen. Müdigkeit merkte man den Jungs auf der Bühne zu keinem Zeitpunkt an. Energiegeladen wie eh und je wurden Songs wie „Good lookin´out“, „Scratch the surface“, „Built to last“, „Disco sucks fuck everything“, “Step down”,  „Us vs. them”, “Call to arms”, “Take the night off”, “Just look around”, “Sanctuary” “Machete” und “Die alone” abgebrannt. Nach über einer Stunde inklusive Zugabe war der erste Tag des Mach1 Festivals vorbei. Aus persönlichen Gründen musste ich bereits an diesem Abend meine Abreise antreten, die gesammelten Eindrücke waren jedoch durchweg positiv. Der Sound war – bis auf zwei Aussetzer – durchweg in Ordnung, genügend Ess- und Trinkstände mit humanen Preisen vorhanden und der Eintrittspreis mit 15 Euro (Tageskarte) erschwinglich gewesen. Für ein Festival, welches noch in den Kinderschuhen steckt, eine reife Leistung.

[Konzerte] Sick Of It All - 04.09.2007 - Support: Wisdom in Chains, Today We Rise - Batschkapp/Frankfurt

Image2 Mal hatte ich bis dato die Ehre gehabt die Legenden von Sick of it all live erleben zu dürfen. Das war jedoch immer im Rahmen der Eastpack-Touren und somit kam richtige Club-Atmosphäre aufgrund der riesigen Hallen kaum auf. Das sollte Anfang September anders werden, denn da standen Lou und Co in der Frankfurter Batschkapp auf den Brettern. 

Die Kapp war schon ordentlich gefüllt als mit Today we rise die erste Band des Abends an den Start ging. Ordentlicher Hardcore aus Würzburg, dargeboten von einer noch recht jungen Truppe. War auf jeden Fall erfrischend, aber das war die Luft ausserhalb der Konzertstätte ebenfalls und somit ging es noch einmal nach draussen. 

Als wir uns wieder auf den Weg in Richtung Bühne machten waren Wisdom in chains bereits mit 3/4 ihres Sets fertig und somit konnte ich gerade noch 'Life isn´t fair' raushören. Schöne Show der Jungs aus Amiland. Definitiv ein würdiger Support für den Hauptact.

Der kam dann nach einer recht kurzen Umbapause auch auf die Bühne und wer die Jungs mal live erleben dürfte, der weiß ja was zu erwarten ist: Viel Stagediving, viel gemoshe und auf der Bühne ein Marathon laufender Lou in seinem Element. Sehr gute Stimmung, hier und da mal eine erheiternde Ansage des Frontmanns und Songs wie 'Step down', 'My life', 'Goatless', 'Built to last', 'Us vs them' und 'Scratch the surface' (mit obligatorischer Wall of death) im Gepäck. 

Image Bei 'Rat pack' wurde ein Engländer aus dem Publikum auf die Bühne geholt, der das Lied mit Megaphon in Richtung Publikum schmettern konnte. Auf alle Fälle sehr erheiternd.

Alles in Allem ein sehr fetter Abend in der Batschkapp, die sich wieder einmal als eine perfekte Location für ein Konzert dieser Größenordnung herausgestellt hat. Zur Band an sich muss man eigentlich keine weiteren Worte verlieren. Routiniert und nach über 20 Jahren immer noch voller Energie. Schön wars!

[Konzerte] Persistance Tour - 30.11.2006 - Schlachthof/Wiesbaden

Alle Jahre wieder kommt sie nach Wiesbaden: Die Persistance/Resistance Tour mit einem ordentlichen Packen Livegenuss im Rucksack. Am 30.11. diesen Jahres war es dann mal wieder so weit: Ein Lineup, was seinesgleichen suchen dürfte wartete darauf abgefackelt zu werden und somit war der Ansturm aus allen Richtungen Deutschlands auch dementsprechend hoch.

Schon gegen 19 Uhr ging in der Halle fast nichts mehr. Es hatte zwar noch keine Band angefangen, aber allein die Tatsache, daß fast jede Band im Lineup Szenefreunden ein Begriff sein dürfte, sorgte dafür dass keine Band des Abends ohne Zuschauer auskommen musste. Sowohl die Anticops, als auch The Destiny Programm verpasste ich an diesem Abend, da es mir in der Halle doch definitiv zu stressig war und ich meine Kräfte für den späteren Ablauf des Abends einteilen wollte. Somit waren Walls of Jericho für mich die erste Band des Abends. Hatte sie ja bereits 2004 im Schlachthof erleben dürfen und somit wusste ich was auf mich zukommen sollte. Als Opener wählte man 'A trigger full of promises' vom neuen Album und direkt wurde Vollgas gegeben. Sängerin Candance Kucsulain rannte über die Bühne gab eine Lehrstunde in Bollo-Moshing und machte so manchem Tough-Guy im Publikum Angst. Gleich zu Beginn gingen jedoch die Meinungen über die Band und ihre Sängerin auseinander. Während manchen Gästen das Grunzen der Vocalparts völlig auf die Nüsse ging, war so mancher Zuschauer derart hingerissen, daß er auf das Soundpult kletterte, um einen besseren Blick auf die Frontlady zu ergattern. Mir selbst gefiel sehr, was ich dort geboten bekam: 'All hail the dead', 'I know Hollywood and you ain´t it', 'There´s no I in Fuck You', 'And hope to die', 'With devils amongst us all' und noch weitere Knaller wurden in Richtung Publikum abgefeuert. Vor der Bühne wurde ähnlich wie auf den Brettern ordentlich abgemosht und jeder Hit lehrbuchartig abgefeiert. Hätte gerne noch 'No saving me' gehört, aber da nur knapp 30 Minuten Spielzeit berechnet wurden, war für dieses doch recht ungewohnte WoJ-Stück kein Platz mehr in der Setlist.

Im Anschluss folgten Terror, die ja zur Zeit wirklich jede Tour mitnehmen, die sie bekommen können. Vor Kurzem waren sie noch als Support für Madball im Schlachhtof gewesen, jedoch hatten sie nun die Möglichkeit, vor einem ganzen Haufen mehr Fans zu zocken. Ein absolut astreines Set wurde geliefert: Angefangen mit 'One with the underdogs' wurden nach und nach alle großen Hits der Combo abgefeiert. 'Spit my rage', 'All I´ve got', 'Keep your mouth shut', 'Lowest of the low', 'Always the hard way', 'Strike you down' und 'All for revenge'. Schluss war letztendlich mit 'Overcome' und was man mitnahm war, daß die Band live wirklich immer wieder ein Hochgenuss ist und scheinbar bei jedem Gig einen anderen Gitarristen mit an Bord nimmt. Ein Interview mit dem Sänger Scott Vogel findet ihr übrigens in der Interview-Sektion - reinschauen lohnt sich!

Zu Comeback Kid nahm ich mir dann eine kleine Auszeit, bekam lediglich 'Fals idols fall' und 'Wake the dead' mit. Beides wurde sehr schick präsentiert - auf jeden Fall eine ordentliche Liveband!
Nun wurde es Zeit, daß die jungen Hüpfer von den alten Herren des Genre abgelöst wurden. Madball stand bereits in den Startlöchern und spätestens jetzt war der Sättigungsgrad der Halle erreicht. Selten hab ich es so voll im Schlachthof erlebt - ein Durchkommen nach vorne war quasi unmöglich. Die Truppe aus New York zeigte gleich mal, wo der Hammer hängt und setzte die Messlatte irrsinig hoch an: Mit 'Can´t stop, won´t stop',  'Everyday hate', 'Still searching', 'Legacy', 'Set it off', 'Heaven-Hell' und weiteren Evergreens machte man absolut nichts falsch und als schließlich mit 'Pride (Times are changing)' schluss war gab es tosenden Applaus für die Legenden. Unglaublich solider Auftritt und wenn man sich Freddy so auf der Bühne anschaut, mag man gar nicht glauben, daß die Truppe schon so lange im Geschäft ist. Respekt die Herren!
Gnadenlos ging es weiter und der Abend fand mit Sick of it all seinen Höhepunkt. Was nun folgte spottet jeder Beschreibung. Nach 20 Jahren im Geschäft, etlichen Alben und ewigem Touren sind diese Herren die lebenden Beispiele dafür, wie viel der menschliche Körper ertragen kann. Agil und geladen wie eh und je gaben sie alles was das Publikum hören wollte. Dabei lieferten 'Good lookin´out', 'Step down', 'Call to arms', 'Uprising nation', 'Busted', 'My life', 'Machete' und 'Fred army' nur einen kleinen Beitrag zu einem riesigen Set, an dem wirklich absolut nichts auszusetzen war. Bei 'Scratch the surface' gab es die übliche Wall of death und zwischendrin wurde mal ganz nebenbei ein riesiger Circle-Pit um das Soundboard gemacht. Absolut eindrucksvolle Vorstellung - da war wirklich klar, in was für einer Liga die New Yorker Urgesteine spielen. Von mir aus hätten sie so den ganzen Abend weitermachen können, aber nach einer Zugabe, die aus 2 Liedern bestand, war schluss.

Insgesamt eine eindrucksvolle Vorstellung davon, wie gut alt und jung zusammen auf den Putz hauen können. Bin mal gespannt, wie viele der Bands, die vor Soia und Madball ihr Bestes gaben in 10 Jahren noch bestehen ohne peinlich zu sein. Sowas muss man scheinbar im Blut haben - oder man lernt es auf den Straßen New Yorks. Whatever! Bitte,bitte nächstes Jahr wieder!