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2010/12/16

[Platten] Billy Talent - Billy Talent II

ImageBilly Talent aus Kanada haben das erreicht, wovon viele Bands träumen, die immer noch in der Versenkung rumdümpeln: Einen extrem erfolgreichen ersten Longplayer auf den Markt werfen, entdeckt und heiß und innig geliebt zu werden und anschliessend eine lange Zeit durch die ganze Welt zu touren.
Nun erscheint also der neue Silberling des Vierers und die Erwartungen sind natürlich von Seiten der Fans und auch der internationalen Musikpresse extrem hoch. 

Viele Bands, die von 0 auf 100 schiessen zerbrechen an diesem Erfolgsdruck und können nach einem zweiten Album kein weiteres abliefern, was dem Durchbruchswerk das Wasser reichen konnte. Um im Gespräch zu blieben muss man daher im Besten Falle ein besseres Werk abliefern, oder zumindest ein gleichwertiges. Da kommt es natürlich überraschend, daß die Jungs von Billy Talent ihr zweites Werk "Billy Talent ii" betiteln. Es stellt sich folglich die Frage: Bleibt also alles beim Alten? Wird die gleiche Spur gefahren, oder kann man vielleicht sogar ein paar Experimente erwarten. Hier gibt es die Antwort:

"Devil in a midnight mass" macht den Anfang auf der 13-Lieder starken CD. Druckvoller Sound, typischer Billy Talent-Gesang und auf jeden Fall ein Tanzflächenfeger, der dem eingefleischten Fan gerade recht kommen dürfte. Dass die Band sich oft mit den Problemen von Jugendlichen beschäftigt wurde ja schon bei ihrem ersten Album klar, als man sich mit "Nothing to lose" über Außenseiter und ihren Selbstmordgedanken ausließ. Im Opener von "Billy Talent ii" beschäftigt man sich nun mit dem sexuellen Mißbrauch von Pfarrern an Jugendlichen und den Folgen - angelehnt an einen Fall aus Boston. Sicherlich ein heikles Thema, aber auch immer wieder aktuell. "Red Flag" war ja vielen schon vorher bekannt, da es schon seit vielen Monaten im Internet als Demo kursierte oder auf und nun für den neuen Longplayer neu eingespielt wurde. Schönes Lied, ebenfalls druckvoll und zum mitsingen geeignet. Bis jetzt also alles beim Alten.

Bei "This suffering" schaltet die Band einen Gang zurück und lässt es etwas gemütlicher angehen. "Worker bees" kommt im ähnlichen Stil rüber und bei "Pins and needles" begibt man sich mal wieder in die Herzschmerzecke. Jedoch wird das ganze jetzt nicht im rasenden Stil wie bei "The Ex" vom alten Album verarbeitet, sondern sehr ruhig und gemäßigt. Erst nacht knapp 2 Minuten geben die Jungs dann mal wieder etwas Vollgas um kurz danach aber wieder gleich auf die Bremse zu treten. "Fallen leaves" fängt mit einem ziemlich eingängigen Riff an und dürfte live nach wenigen Sekunden die ganze Zuschauerbelegschaft zum abhüpfen bringen. Eigentlich kein beinharter Billy Talent Song, gefällt mir aber persönlich ziemlich gut, da sich der Refrain ziemlich schnell im Kopf einprägt. "Where is the line?" ist mal wieder ein extrem fulminantes und geiles Lied, was sich schnell im Hirn festsetzt und da auch erst einmal verweilen mag. Bei "Covered in cowardice" wird mal wieder in alter und gewohnter Billy Talent-Manier gekrischen - auf jeden Fall ein Lied, was man auch auf der alten Platte hätte wiederfinden können. Bei "Surrender" wird dann die total ruhige Gummikeule ausgepackt - ein Lied, was man so von der Band noch nicht gewohnt war. "Perfect world" fängt vom Riff her extrem vielversprechend an und nach 15 Sekunden denke ich, daß mir gleich die Faust ins Gesicht saust - Pustekuchen. Man schaltet mal wieder einen Gang zurück und ich senke enttäuscht denk Kopf. Eigentlich kein schlechtes Lied, aber leider verspricht der Anfang verspricht mehr, als das Lied an sich bieten kann. "Sypmathy" rockt gut ab und dürfte auch keinen Billy Talent-Fan enttäuschen.

Fazit:
Billy Talent hat an Power keineswegs verloren, sondern sie dieses Mal einfach nur sparsamer und gezielter eingesetzt. In viele Lieder muss man sich sicherlich noch reinhören und Tracks wie "Surrender" ist man von ihnen einfach nicht gewohnt, was jedoch nicht heißen muss, daß sie keinen Kultcharakter und Hitpotential haben. Man kann also sozusagen festhalten, daß die Mission "Noch einen guten Schinken hinterherlegen" durchaus geglückt ist. An den hohen Erwartungen, die diesem Album beigemessen wurden werden sie sicherlich nicht zu Grunde gehen!

2010/12/14

[Konzerte] Sally Sounds Festival - 21.09.2006 - Palladium/Köln

Am 21. September hatte das (Online-)Magazin 'Unclesally*s' zum tanzen nach Köln eingeladen - und dieser Einladung waren durchaus einige Hundertschaften von Interessenten gefolgt. Das Lineup las sich mit Billy Talent, The Subways, The Sounds, Samiam und The Cinematics auch recht ordentlich und wie zu erwarten war, gab es für das Konzert in Köln noch vor Anpfiff keine Karten mehr. 
Vor der Halle hatte sich eine Stunde vor Beginn schon eine monströse Schlange gebildet, die eher an die Begrüßungsgeldausgabe zu Zeiten der Maueröffnung erinnerte. Naja, war also noch Zeit für das ein oder andere Bier im Voraus, zudem man überraschender Weise aus der Halle während des Konzertes nicht mehr herauskam - ansonten hätten die Karten ihre Gültigkeit verloren. Bei einem 5- bis 6-stündigen Konzert eigentlich ziemlich unverschämt. Ebenso wie die völlig übertriebenen Merchandisepreise die einem im Innenren des Gebäudes entgegenschlugen - doch genug zahlungskräftige Kunden waren ja vorhanden.

Pünktlich zu The Sounds kamen wir schliesslich im Palladium an und machten uns gleich in die Menge. Sehr schönes Set - angefangen mit "Queen of apologies" und gespickt mit weiteren Knallern wie "Song with a mission", "Living in America" und "Painted by numbers" war nach viel zu kurzen 30 Minuten schluss mit "Ego". Sehr solider Auftritt und Sängerin Maja Ivarsson wird das ein oder andere Männerherz gebrochen haben. Kurzer Rock und das Verzichten auf einen BH wird sicherlich die ein oder andere Rolle gespielt haben. Die Band kommt übrigens in Kürze mit Panic!at the disco auf Tour, wie sie am Ende verrieten. Naja, wems gefällt...
Es folgten die Emo-Pioniere Samiam aus den USA, die wir uns aber nicht reinfahren wollten. Passten für viele Zuschauer aber sichtbar ins Programm - gute Stimmung war auf jeden Fall vorhanden.

Anschließend folgte mit The Subways der erste Hochkaräter des Abends. Nach kurzer Umbauphase enterte der Dreier die Bretter und die Menge rastete völlig aus. "With you" machte den Anfang und es folgten obligatorische Knaller wie "Mary", "I want to hear what you...", "Holiday", "She sun/Oh yeah", "City pavement" und am Schluss natürlich "Rock and Roll Queen". Spätestens da gab es bei der Menge mit den zahlreichen Kölner Sarah Kuttner-Klonen im Palladium kein Halten mehr. Zwischendurch sprangen sowohl Sänger Billy, als auch Drummer Josh von den Boxentürmen in alter Rock n Roll-Manier ins Publikum und mit "California" (als 'Brand-new' vorgestellt, aber auch schon im Dezember auf Tour gespielt) hatte man auch eines von 2 Stücken im Gepäck was nicht auf Platte vorhanden war. Sehr geiles Konzert der Truppe aus England.

Nun war es schließlich Zeit für den Hauptact des Abends: Billy Talent. Da die Konzerte von The Sounds und The Subways doch übelst an die Substanz gingen enschloss ich mich kurzerhand das Konzert der Kanadier von der Seite aus zu Betrachten. Die Menge war heiß und mit "This is how it goes" ging der Spaß los. Hatte ich zu Beginn noch gedacht, daß mich der 4er Setlisttechnisch nicht mehr überraschen könnte, da man sowohl auf dem Southside als auch in Neu-Isenburg eine identische Setlist abgeliefert hatte, wurde ich schnell eines Besseren belehrt: Man hatte sich tatsächlich etwas einfallen lassen und den Hitablauf etwas verändert. Es folgte "Devil in a midnight mass" und "This suffering". Desweiteren noch "Nothing to lose", "The Ex", "Fallen leaves", "Where is the line", "Cut the curtains" und "Standing in the rain". Danach ging es in die Pause und mit "Red Flag" meldete man sich eindrucksvoll zurück. Dazu wurde vor der Bühne die ein oder andere rote Fahne geschwungen und letztendlich war mit "Try honesty" schluss. Man versprach im Februar wiederzukommen, was logischerweise zu begeisterten Jubelstürmen im Publikum führte. Generell war auch das, was die Menge in den knapp 70 Minuten ablieferte nicht von schlechten Eltern: Die komplette Halle war zeitweise am Hüpfen und den Kanadiern schien es äusserst gut zu gefallen.

Fazit: Ziemlich geiler Konzertabend in Köln und mit 25 Euro auch sehr fair, wenn man sich im Nachhinein das anschaute, was man geboten bekam. Könnte in Zukunft öfters in solch einer Form auf die Beine gestellt werden.

[Konzerte] Billy Talent - 19.06.2006 - Support: Julia - Hugenottenhalle/Neu-Isenburg

Nachdem die Batschkapp ja nicht mehr gut und groß genug war und man dem Ansturm auf die Karten nicht mehr gerecht werden konnte entschloss man sich kurzerhand das Konzert in die Hugenottenhalle nach Neu-Isenburg zu verlegen. Fraglich war zu diesem Zeitpunkt, ob ein Billy Talent Konzert in einer solchen Halle überhaupt ankommen würde, zumal man sich an Konzerte mit ihnen aus kleineren Hallen gewohnt hatte und die Atmosphäre die dort herrschte einzigartig und sicherlich schlecht zu toppen war. 

Vor der Halle schien sich die Befürchtung für viele zu bestätigen, daß es sich hier um ein überregionales Emo-Treffen der superlative raussetellen sollte, was so manchem die Zornesröte schon vor der Halle ins Gesicht steigen ließ. Nachdem ich die Vorband mit gutem Gewissen verpasst hatte, kam ich doch noch rechtzeitig zum Opener des Abends in die gut gefüllte, aber nicht ausverkaufte Hugenottenhalle: "Devil in a midnight mass" - die aktuelle Videoauskopplung - sollte also wie auch schon in Berlin den Anfang machen und kam extrem solide und livetauglich rüber. Weiter ging es mit dem Hit "Red Flag" (der ja schon seit etlichen Monaten im Internet als Demo kursiert)und "Line and sinker" vom ersten Album. Der Sound war extrem ok und der Vierer aus Kanada extrem gut aufgelegt. Das Publikum feierte die Truppe um Sänger Ben Kowalewicz und nach und nach reihten sich Tanzflächenfeger wie "Cut the curtains", "The Ex" (mit der obligatorischen Ansage an seine verflossene Liebe, die ihm scheinbar wirklich auf übelste Weise das Herz gebrochen hatte), "River below", "Nothing to lose", "Standing in the rain" und noch einige Lieder vom aktuellen Longplayer Billy Talent ii (darunter auch "This suffering") ein.

Als die Band schließlich nach etwas über einer dreiviertel Stunde von der Bühne ging und hinter der Bühne verschwand, glaubten manche Zuschauer ihren Augen nicht zu trauen: Mit immerhin 2 Alben in der Tasche hätte sich sicherlich noch einiges mehr an Spielzeit füllen lassen können, aber noch war ja nicht aller Tage abend und es galt die Zugabe abzuwarten. Mit "This is how it goes" kam man wieder auf die Bühne zurück, um sich danach gleich wieder mit "Try honesty" endgültig vom Publikum zu verabschieden. Leicht verdutzt trat die versammelte Billy Talent-Gefolgschaft den Weg aus der Halle an und als man feststellen musste, daß es immer noch reichlich hell draußen war, durfte auch dem letzten Heini bewußt geworden sein, daß das Konzert mit etwas über 60 Minuten doch mehr als verdammt kurz war. Meine erste Befürchtung, daß die große Halle der Stimmung einen Dämpfer hätte verpassen können, bestätigte sich letztendlich nicht, was aber sicherlich auch daran lag, daß Sänger Ben die größte Zeit des Konzertes mit freiem Oberkörper absolvierte und er somit schon einmal die Gunst der weiblichen Fans auf seiner Seite hatte.

Abschliessend war es jedoch auf jeden Fall ein mehr als gelungenes Konzert. An dem Sound war absolut nichts auszusetzen (obwohl man ja zuvor vom Auftritt im Berliner "Huxleys" schlimme Berichte gelesen hatte) und sowohl die Band als auch das Publikum war mehr als gut drauf. Lediglich das Lichterspiel erinnerte eher an einen lokalen Bandcontest und kam etwas wurstig rüber, was hier aber nun mal nicht mindernd ins Gewicht fallen soll. Gerne wieder, das nächste Mal dann aber dafür etwas länger.