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2010/12/15

[Konzerte] Southside Festival - 22.06. bis 24.06.2007 - Neuhausen ob Eck

Das diesjährige Southside-Festival stand schon zu Beginn unter keinem guten Stern: Beim Aufbau der Zeltbühne wurde ein Sanitäter getötet und ein weiterer schwer verletzt. Glücklicherweise entschieden sich die Veranstalter letztendlich doch dafür das Wochenende noch mit Musik zu füllen und das Festival nicht kurzerhand abzusagen. Dies zwar mit der Konsequenz, dass 1/3 der Bands nicht spielen konnten, jedoch stand somit einem ereignisreichen Wochenende im Süden der Republik nichts mehr im Wege.
Bereits am Donnerstag Nachmittag zeigte sich, dass sich viele von dem Ratschlag des Veranstalters, erst am Freitag anzureisen, nicht beirren ließen und somit war schon gegen Abend ein Großteil des Campingeländes mit Festivalverrückten aller Art gefüllt. Die ersten körperlichen Reserven wurden mit Alkohol verballert und hier und da zeigten sich bereits Probleme mit den Stimmbändern. Soweit also alles wie immer. Das Wetter schien zu halten und über die Horror-Voraussagen diverser Wetterdienste wurde nur gelacht.

Am Freitag morgen war jedoch den meisten Besuchern eben jenes Lachen vergangen: Es schüttete aus Eimern und manch einer musste einen Graben um sein Zelt ziehen, um dieses nicht nach einem Toilettengang auf dem Flugfeld wiederfinden zu müssen. Glücklicherweise hatte der Veranstalter jedoch mitgedacht und an mehreren Stellen des Zeltgeländes Holzstreu ausgelegt, womit die gröbsten Pfützen beseitigt werden konnten. Leider hatte sich dies recht schnell herumgesprochen und so war nach einer knappen halben Stunde von dem Holzvorrat nicht mehr allzu viel übrig. Manch einer war ganz schlau und graste die Metropole Tuttlingen nach Gummistiefeln ab und als Folge dessen war bereits zur Mittagszeit in dieser nah gelegenen Stadt der komplette Vorrat an Fußpanzern ausgeschöpft. Bezeichnend. Viele ließen sich von der Matschwüste jedoch nicht stören und somit wurde mancherorts ein Schlammbad genommen - sehr zur Freude der vielen Schaulustigen.
Image Am späten Nachmittag betraten schließlich die Herren von Sugarplum Fairy die Bühne der Green-Stage und entlockten dem feuchten Publikum den ein oder anderen Sprung gen Himmel. Als dann noch die Sonne herauskam und 2 Regenbögen am Himmel erschienen, wurde umso mehr abgefeiert. Sehr solider Auftritt der Jungsprösse, die anschließend gleich von den reifen Herren der Manic Street Preachers abgelöst wurden. Sehr, sehr geiler Aufrtitt. Viele schöne Lieder gespielt und mit 'If you tolerate this, your children will be next' den obligatorischen Festivalvogel abgeschossen. Auch nach über 20 Jahren noch nicht müde, löblich! Im Anschluss kamen Incubus auf die Bühne und spulten ihr Erfolgsrezept nach und nach herunter. Viele Fruchtblasen platzen auf der Tanzfläche und der mehr als grottige Sound schien keinen zu stören. Da schien der Soundtechniker entweder auf dem Dixie-Klo eingeschlafen, oder beim Gummistiefelkauf in Tuttlingen versackt zu sein. An sich aber ein solider Auftritt der Band und eine ziemlich befriedigende Songauswahl. Gut gestimmt ging es also weiter zu den Editors, die ja zur Zeit mit einem herrlichen neuen Album aufwarten können. Ihr Auftritt gehörte für mich auch mit zu den Besten des Wochenendes. Wirklich bewundernswert, wie die Gruppe um Tom Smith die herrlichen Plattenqualitäten auf der Bühne noch einmal um ein vielfaches toppen konnte. Wieder einmal wie so oft großes Kino von der Insel.

Image Der nächste Tag wurde bereits um die Mittagszeit gestartet. The Rakes spielten auf der Green-Stage und legten einen beachtlichen Auftritt hin. Die Jungs sind Ende des Jahres auf Tour in Deutschland. Sollte man sich auf jeden Fall anschauen. Im Anschluss direkt Art Brut, die ihr neues Album im Gepäck hatte und wirklich herrlich anzuschauen war. Stilvoll wie immer gekleidet, interessante Ansagen auf den Lippen und dazu noch Knaller wie 'Bang, bang Rock'n'Roll', 'Emily Kane', 'Direct Hit', 'My little brother' usw auf den Lippen. Das Publikum war erfreut, die Stimmung herrlich und nach einer dreiviertel Stunde war schluss. Am Abend gab sich dann Juliette Lewis mit ihren LicksSonic Youth im Anschluss spielten ihr Set auch souverän runter, jedoch kann ich mich aufgrund meines mittlerweile stark geleerten Tetrapacks nicht mehr an alles erinnern. Schade! Placebo hatten im Anschluss ähnlich wie Incubus leichtes Spiel mit dem Publikum: Viele Mädels starrten sehnsüchtig gen Bühne und mit dem herrlichen "Running up that hill" konnte Mr. Molko auch mich vollends glücklich machen. Doch auch hier schien der Soundtechniker mal wieder einen Abstecher in Richtung Toilette gemacht zu haben.  die Ehre auf der Bühne und eine ganze Menge Leute hatte sich vor der Bühne versammelt. Ihr Promibonus kam ihr scheinbar durchaus gelegen. Sexy Show, sexy Songs und das rundum sorglos Paket war geschnürt. Die abfällige Bemerkung "Ihr findet die doch nur gut, weil die so enge Leggins trägt" von 2 Mädels aus dem Publikum wurde mit einem "Nicht nur, aber das trägt schon viel dazu bei" quittiert.

Vielleicht hatte er sich ja auch mittlerweile gänzlich verabschiedet. Gummisteifel umtauschen, oder so. Wer weiß. Der Knaller des Tages wartete anschließend mit den Dropkick MurphysQueens of the Stone Age zu begutachten, die wieder auf der bereits für ihren großartigen Sound berüchtigte Green-Stage aufscheppten. Sound war wieder einmal breiig, aber als mit "Feel the good hit of a summer" eingestiegen wurde, war sowieso kein Halten mehr möglich. Nach und nach wurden vor allem die Lieder des neuen Albums "Era Vulgaris" zum Besten gegeben und auch der ein oder andere Hit von "Songs for the deaf" schaffte es in das Programm. 90 Minuten Vollgas und ein gut gelaunter Josh Homme auf den Brettern, die die Welt bedeuten - herrlich!  auf der Blue-Stage. 75 Minuten absoluter Sinnesverlust und Massenpogo. Sowas geniales hab ich auf dem Southside auch noch nicht erleben dürfen. Der Alkohol schien manchen Zuschauer zu absoluten tanzlichen Höchstleistungen zu treiben und die Band staunte ordentlich Bauklötze. Top Songauswahl und wie immer gut gelaunt wurden zahlreiche Tanzflächenknaller zum Besten gegeben und am Ende blieb eine zerstörte Menge zurück. Als letzte Band des Abends gab es dann die

Image Der letzte Tag bekann ähnlich wie der Samstag. Mittags versammelte man sich um mal wieder den herrlichen Darbietungen von The Sounds zu lauschen. Die üblichen Lieder wurden gespielt und wieder einmal wurden grinsende Männer zurückgelassen. Sängerin Maja hatte ihren Job erneut zur Zufriedenheit aller Anwesenden gut gemacht und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Modest Mouse gaben im Anschluss ihr Stelldichein auf der Blue-Stage und Sänger Isaac Brock schien nach seiner Flaschenattacke wieder auf dem Dampfer zu sein. Ein schöner Queerschnitt aus den verschiedenen Alben der Bandgeschichte wurde geboten. 

Anschließend luden Bloc Party auf der Green-Stage zum Tanzen ein und die Zuschauer folgten dieser Einladung nur zu gerne. Blöd nur, daß es Soundprobleme gab während das Konzert live im Radio übertragen wurde. Dem Publikum wars schnuppe - es wurde getanzt, mitgesungen und abgefeiert. Souveränder Auftritt und absolut sympatisch noch obendrein. Im Anschluss wurde auf beiden Bühnen für 20 Minuten der Konzertbetrieb eingesellt, da man in dieser Zeit dem verstorbenen Sanitäter und seinem schwer verletzten Kollegen gedachte. Eine ergreifende Rede von einem Organisator wurde mit sehr viel Applaus bedacht und Gott sei Dank blieben peinliche Zwischenrufe von volltrunkenen Heinis aus. Die Fanta 4 sah ich im Anschluss nur halb, danach wurden noch einige Lieder von den fantasitischen Interpol mitgenommen - beeindruckend. Nach einer kurzen Ruhepause auf dem Campingplatz ging es noch einmal zu Snow Patrol, die auf der Blue-Stage den Abschluss bieten sollten. Großartige Songauswahl, viel vom aktuellen Album und eine ganze Menge Zuschauer, die dem Charme von Sänger Gary erlagen. Die Beastie Boys lieferten anschließend den absoluten Hammer des Festivals ab. Diese Band als Abschluss der 3 Tage zu wählen war ein Zug, der absolut aufging. Energiegeladen wie eh und je brachten Mike D, MCA, Ad Rock und Mixmaster Mike die Menge zum Kochen. Mal an den Instrumenten, mal nur als Hüpfbälle mit Mikros unterwegs wurden legendäre Hits wie 'Heart-Attack Man', 'Body Movin', 'Sure Shot', 'Tough Guy', 'Three Mcs and one DJ', 'Root down' und natürlich 'Intergalactic' vor einer beeindruckenden Lichtkulisse zum Besten gegeben. Zwischendurch wurde das Ganze noch mit Instrumentals von der aktuellen Platte "The Mix-Up" angereichert und mit 'Sabotage' der obligatorische Schlusspunkt gesetzt.

Letztendlich also ein absolut geniales Festival, was sich die FKP Scorpio Agentur mal wieder aus den Fingern gezogen hat. Viele gute Bands, sehr schöne Stimmung und ein im Endeffekt auch recht passables Wetter. Warum die Veranstalter jedoch darum bitten um 2 Uhr morgens die Radios auszustellen, um eine Nachruhe zu gewähren, verstehe ich nicht ganz. Das Partyzelt "überraschte" jeden Abend bis halb 7 oder 7 Uhr morgens mit einer Lautstärke, zu der man mit Sicherheit auch noch in Tuttlingen hätte tanzen können. Auch nicht schlecht.

2010/12/14

[Konzerte] Southside Festival - 23.06. bis 25.06.2006 - Neuhausen ob Eck

Wenn man sich das Lineup des diesjährigen Southside-Festivals im Süden Deutschlands angeschaut hat, musste man eigentlich nicht zweimal überlegen dorthin zu gehen. Und eines kann man mit gutem Gewissen festhalten: Es war fett, sehr fett - und zwar in fast allen Belangen. Meine Damen und Herren, bringen sie ihre Sitze in eine aufrechte Position, schnallen sie sich an und begleiten sie mich auf der Reise durch 4 Tage der Extreme! 

Die Reisegruppe aus Hanau/Gießen/Mainz machte sich am Donnerstag auf den Weg in das Rund 400km entfernte Neuhausen ob Eck, ein kleines Kaff in der Nähe von Tuttlingen. Nachdem man das Warten in der Schlange zum Parkplatz mit einigen Frisbee- und Fußballspielereien überbrückt hatte und man schließlich seinen finalen Parkplatz zugewiesen bekam, konnte man sich mit Sack und Pack in Richtung Campinggelände machen. Jedoch stellten sich die 2(!) Eingänge für 40.000 Campingfreunde als etwas schlecht kalkuliert heraus und so konnte man sich gepflegt die Beine in den Bauch stehen, bis man letztendlich das Gelände betreten konnte. Nebenbei sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden, daß jeder Besucher beim Betreten auf Glasflaschen kontrolliert wurde, die auf dem Campingplatz verboten waren, was natürlich den gesamten Vorgang noch weiter in die Länge zog. Nach einer mehr oder weniger gechillten Nacht begann dann für uns Tag 2 uns somit der offiziell erste Tag des Southside-Festivals.

Die erste Band, die ich am Freitag anschauen konnte, war auch zugleich die erste Band die am Festival aufspielte. The Boozed aus Bramsche machten endgeilen Rock n Roll und das kleine Konzertzelt war in Minuten gut gefüllt und selbst die Band war über so viel positive Resonanz total aus dem Häuschen. Ein sehr guter Einstand zum Festival und somit ging es gut gelaunt weiter zu The Sounds, bei denen die Frontfrau Maja Ivarsson mit Beine-spreizen die Gunst des Publikums zu erhaschen versucht. Mir gefiel der Auftritt jedenfalls - obs an der Frontfrau lag mag jetzt einmal dahingestellt sein.

 
Anschliessend kam schon einer der Gründe für mich, warum ich mich überhaupt zum Tochterfestival des Hurricanes gemacht hatte: The Kooks betraten die Bühne, lieferten ein extrem unterhaltsames Set ab und spielten unter anderem Hits wie "Seaside", "Ooh la", "Sofa Song" und "See the world". Anschließend noch ein paar Minuten von Death cab for cutie angeschaut - für mich nicht wirklich überzeugend und deshalb ging es schleunigst in Richtung von Mando Diao, die auch wieder einmal zu überzeugen wussten und die üblichen Knaller im Programm hatten. Danach lieferten die Hives als erfolgreichster schwedischer Exportschlager des Tages wie immer ein fulminantes Set ab und brachten die Menge zum Kochen. Für mich auf jeden Fall der beste Aufrtitt des Tages. 

 
Es bedurfte einer längeren Umbauphase ehe der angekündigte Headliner des Abends die Bretter der Green-Stage betreten sollte: The Strokes. Sie hatten zwar mit "Reptilia", "Juicebox", "Hard to explain" und vielen anderen Hits auf jeden Fall eine ansehenliche Setlist gehabt, jedoch wurde ich das Gefühl nicht los, daß die Truppe um Julian Casablancas in Clubs besser aufgehoben ist, als auf einem Festival vor 40.000 Leuten. Vielleicht auch der Grund, warum sie auf dem Hurricane-Festival mit einem Mikrofonständer eine Kamera, die für die Liveübertragung ihres Konzertes eingesetzt war zertrümmerten und somit einen Schaden von 100.000 Euro anrichteten. Trotzdem wars mal ganz angenehm, sich die Lieder, die man sonst nur von Platte kennt auch mal live reinzufahren.

Am Samstag ging es gleich um 13.30 Uhr wieder vor die Bühne und zwar in diesem Falle zu dem Grund, warum ich an diesem Tage das Festivalgelände aufgesucht hatte: Gogol Bordello, die Band aus New York die sich dem ungarischen Zigeunerpunk verschrieben hat, hatte ihr Erscheinen angekündigt. Eine verdammt geniale Show erwartete die Besucher und diese wurde mit Liedern wie "Sally" oder "Immigrant Punk" in Stimmung versetzt. Zwischenzeitlich enterten 2 asiatisch anmutende Tänzerinnen die Bühne und heizten dem Publikum noch weiter ein. Das Zusammenspiel aus Gitarre, Akkordeon, Geige, Saxophon und Schlagzeug funktionierte brilliant und an diesem Samstagmittag dürfte die Truppe einige neue Anhänger dazugewonnen haben - sehr sympatische Band! Im Anschluss fand ich mich vor der Green-Stage ein, wo bereits Billy Talent auf mich warteten und konsequent das gleiche Set wie in Neu-Isenburg im Gepäck hatten. Folglich werde ich auf ihren Auftritt im Einzelnen nicht weiter eingehen, jedoch fiel bei ihnen zwischenzeitlich der Strom aus, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat und die Band in der stromlosen Überbrückungszeit einfach mit Sprechchören abgefeiert wurde. Hier kamen auch erstmals die an den Seiten postierten Feuerwehrautos zum Einsatz, die über das ganze Wochenende hin verteilt die Zuschauer während der unerträglichen Hitze regelmäßig abkühlten - manchmal wurde der Strahl jedoch relativ unvorteilhaft auf einzelne Personen gerichtet, die dann auch ruck zuck von der Bildfläche verschwanden.

 
Danach gönnte ich mir erstmals eine kleine Pause und schaute mir von der Seite aus "The Cardigans" mit der durchaus charmanten Sängerin Nina Persson an. Cooler Auftritt, sehr schicke Lieder und den Zuschauern um mich herum gefiel es auch merklich, wobei das Augenmerk der meisten jedoch eher auf die Frontfrau gerichtet war. Im Anschluss ging es direkt rüber zu den Eagles of death metal, die ohne Josh Homme auftraten, trotzdem aber ein sehr cooles Set spielten und die wenigen Zuschauer die sich noch vor der Bühne befanden durchaus zufrieden stellen konnten. Die Mad Caddies und Lagwagon verschlief ich letztendlich neben der Bühne, war jedoch nach einer kleinen Party am Zeltplatz wieder rechtzeitig zu Muse um 23.30 Uhr auf der Hauptbühne fit. Ähnlich wie bei den Strokes konnte man hier eine extrem geniale Lichtshow bewundern und der Headliner wurde seiner Rolle an diesem Abend durchaus gerecht. Die zahlreich angereisten Muse-Fans gingen schön mit, obwohl ich persönlich kein überzeugter Fan der Band aus England bin, habe ich mir - tapfer wie ich bin - 4-5 Lieder der Band angeschaut. War einfach zu geschlaucht vom Vor- und Nachmittagsprogramm und wollte mir das Zurücklaufen im Pulk nach dem Konzert einfach ersparen.

Der Sonntag sollte in jeder Hinsicht der ereignisreichste Tag sein, wenn auch die Bands an diesem Tag auftreten sollen nicht alle zu meinen Favourites zählten.
Um halb 3 schaute ich mir als erste Band Nada Surf an, die mir ja schon auf Platte extrem gut gefallen, aber live noch eine ganze Ecke besser sind. Gespielt wurden unter anderem "Hi-speed soul", "Concrete Bed" und "Blonde on blonde". Super genialer Auftritt und sicherlich einer der Highlights des Festivals. Als nächstes schleppte ich mich direkt rüber zu den Raconteurs mit White Stripes Frontman Jack White und seinem Kumpel Brendan Benson. Eigentlich ganz nett, aber so direkt nach Nada Surf und ihrem grandiosen Auftritt konnten mich die Raconteurs nicht wirklich vom Sockel hauen.

 
Die Hitze war zu diesem Zeitpunkt immer noch völlig unerträglich und ich suchte auf dem ganzen Festivalgelände irgend einen Schutz im Schatten, der sich jedoch nich finden ließ, da manche Besucher sogar unter dem Kameraturm und den zahlreichen Fressbuden und LKWs versteckten. Folglich musste ich mich auf den Drum-Turm zwängen und mir von dort den Auftritt von Hard-Fi anschauen. Meines Erachtens nach der vom Gesang schlechteste Auftritt des ganzen Festivals. Die Briten lieferten ein Paradebeispiel dafür ab, wie erfolgreich ein ordentlicher Produzent eine verkorkste Stimme auf einem Album noch gerade biegen kann. Einziger Freudenpunkt waren mal wieder die Feuerwehrautos, die mich in sekundenschnelle zu einem klatschnassen Sack verwandelten, was mir aber mehr als gelegen kam, da der einzige Wasserspendeautomat auf dem Festival für 40.000 Besucher an diesem Tag gesperrt wurde (vielleicht auch, um den Zuschauern 2,50 für mit Wasser gestrecktes Bier aus der Tasche zu ziehen). Als nächstes standen die Arctic Monkeys auf dem Programm. Der Aufritt der Überflieger aus Sheffield konnte meine Stimmung wieder schnellstens heben: Die üblichen Hits wie "Dancing Shoes", "The view from the afternoon", "I bet that you look good on the dancefloor", "Still take you home" und auch 2 neue Lieder wurden gespielt und verwandelten wie auch schon bei vielen Bands zuvor den staubigen Boden vor der Bühne in eine riesige Sandwolke. Der neue Bassist fügte sich perfekt ein und schien zeitweise auch seinen Spaß zu haben. Könnte ruhig so mit ihnen weiter gehen. Direkt im Anschluss hatte ich dann noch das Vergnügen die 3 sympatischen Nordlichter von Fettes Brot zu sehen, die auf der Mainstage eine riesige Party veranstalteten. "Schwule Mädchen", "Emanuela", "Fast 30", "An Tagen wie diesen", "The Grosser", "Was in der Zeitung steht", ein geniales Clash-Cover "Hamburg Calling" und noch viele weitere mehr oder weniger aktuelle Hits wurden abgespult. Die Menge tanzte sich die Füsse wund und dem 3er aus dem hohen Norden schien es ebenfalls mächtig zu gefallen.

Anschließend sollte es interessant werden. Bei dem Aufritt von Tomte verdunkelten sich bereits beim vierten Lied die Wolken und ein mächtiger Sturm rollte heran. Von Weitem konnte man bereits sehen, wie verschiedene Gegenstände, die sich auf den Campingplätzen befanden durch die Luft geschleudert wurden und so gut wie jeder Pavillion durch die Luft segelte. Auf der Hauptbühne wurden bereits die ersten Videoleinwände heruntergefahren und als bei Tomte Boxen von der Bühne fielen und die Wand hinter ihnen völlig eingerissen war, mussten die Jungs ihren Auftritt abbrechen. Die Zuschauer rannten in einem riesigen Mob zu ihren Zelten, um zu retten, was noch zu retten war. Wir hatten Glück im Ungluck, da unsere Wertsachen noch an Ort und Stelle waren, während das Zelt schrottreif war. Nachdem wir den Rest zum Auto gebracht hatten wurde einem das Ausmaß des Sturms bewusst: Dixie-Klos waren [ umgefallen ], viele Begrenzungszäune zum Festivalgelände völlig eingerissen und das gesamte Campinggelände glich einem einzigen Schlachtfeld.

 
Die Stimmung war nun auf dem Siedepunkt und völlig beschwingt von dem Zwischenfall sammelte sich spontan eine Gruppe aus etwa 300 Festivalbesuchern und rief dazu auf, im Kollektiv seine Zelte zu verbrennen. Dazu suchte man sich an einer Stelle auf dem Campingplatz den Pisswürfel aus und schleppte dorthin alles an, was nicht mehr zu verwerten war: Zelte, Pavillions, Stühle und Grills wurden gesammelt und in Brand gesteckt. [ Hier ] und [ hier ] gibt es 2 Videos zu dem ganzen Schauspiel. Zwischendurch wurde noch ein riesiger Circle-Pit um den Brand gestartet, bis Feuerwehr und Polizei eintrafen, um die aufgebrachte Menge zu beruhigen und das Feuer zu löschen. An einer anderen Stelle wurde bei den Wohnmobilparkplätzen ein Sofa angezündet, was ebenfalls die Feuerwehr auf den Plan rief, die an diesem Tag auch aufgrund der 10 Verletzten durch den Sturm einiges zu Tun hatte. An diesem Tag hätte das Festival Southside sicherlich eher den Namen Hurricane tragen sollen.

In der Zwischenzeit gaben Maximo Park ein kleines Akustik-Konzert vor einigen wenigen Zuschauern, die noch vor den Bühnen verharrten. Viele traten bereits aus Wut über ihre verlorenen Zelte und die nicht ausgesprochene Sturmwarnung den Heimweg an. Auf dem Konzertgelände versammelte sich zu diesem Zeitpunkt eine riesige Menschenmenge, um mit einigen Zelt- und Pavillionstangen ein riesiges Konzert zu veranstalten, was auch von den Securities größtenteils toleriert wurde. Auch Glas und Plastikflaschen konnten nun problemlos zu den Konzerten mitgenommen werden, denn mittlerweile schien das Augenmerk eher auf die Instandsetzung der Bühnen, die zwischenzeitlich unter totalem Stromausfall litten, an erster Stelle zu stehen.

 
Tomte und Seed spielten ihr Set zu Ende und bevor man in den Genuss von Maximo Park kommen konnte, musste man sich schließlich noch eine circa 40 Minuten lange Umbauphase mit endlos langen Mikrofonchecks über sich ergehen lassen. Lustig nur, daß dann beim ersten Lied "Graffiti" ausgerechnet das Mikrofon zu Beginn nicht wollte. Das Publikum wurde anschliessend unter anderem noch mit Liedern wie "Apply some pressure", "The night I lost my head", "Now I´m all over the shop", "The coast is always changing" und einigen neuen Hits beglückt. Da die Band nun ordentlich Zeit hatte und sie auch die letzte auf der Blue-Stage für diesen Abend war, gab man noch eine ganze Menge Zugaben, ehe man sich von der Bühne verabschiedete.

 
Direkt im Anschluß machte noch Manu Chao mit seinem Radio Bemba Sound System bis um halb 2 morgens Stimmung und ich habe selten eine derartig große Menschenmasse abzappeln gesehen.Hammerhart.

Fazit: Das beste Festival auf dem ich bis jetzt war. Absolut astreines Wetter, verdammt geile Bands und ein sehr ereignisreicher und spaßiger Sonntag. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!