2010/12/18

[Platten] Talco - La Cretina Commedia

Image La Cretina Commedia. Was in wie ein Mafiafilm aus den 70er Jahren klingt, ist in Wirklichkeit das neue und mittlerweile vierte Album der italienischen Ska-Combo Talco.

Treibender Skapunk wie ihn Bands der Marke Skafield spielen, trifft auf südeuropäische Folklore. Die sechs Musiker legen auf dem Album ein dermassen schnelles Tempo an den Tag, dass ich schon unwillkürlich das Netz nach Tourterminen in meiner Gegend abchecke. Live muss die Musik noch mehr abgehen als bei der heimischen Ohrmassage.

Da die Jungs konsequent auf italienisch singen, haben sie gleich mal die englischen Übersetzungen der Texte mit ausführlichen Linernotes ins Booklet gepackt. Und hier fühlt man sich doch wieder in einen Mafiastreifen versetzt. Beerdigungen, ermordete Familienmitglieder und Cosa Nostra sind nur einige Themen der angeblich autobiographischen Texte. Solcher Inhalt will garnicht so wirklich zu der hüpf- und tanzwütigen Mucke passen.

Egal wie düster die Texte sind, oder gerade vielleicht auch deswegen, kann man die Musik für Bewegungstherapien benutzen. Hier steht niemand still. Nebenbei wirkt hier nichts zu glatt produziert, sondern einfach nur authentisch.

Wer auf Ska steht kommt an dem Teil nicht vorbei.  


www.talcoska.it

VÖ: 20.08.2010 auf Destiny Records

[Platten] Tina Dico - Welcome Back Color

ImageIn ihrem Heimatland ist die Dänin Tina Dico seit Jahren ein mit Preisen überhäufter Superstar. Doch trotz zahlreicher Kollaborationen mit namhaften Künstlern und das Verwenden ihrer Songs in bekannten Fernsehserien wuchs ihr Bekanntheitsgrad nur geringfügig über die Grenzen des kleinen Landes hinaus. Vielleicht wird sich das ja mit ihrer neuen Platte ändern.

Wobei bei "Welcome Back Colour" der Begriff "neu" nur teilweise zutrifft. Es ist eine Art Best-Of-Compilation, auf der neben den bekanntesten und erfolgreichsten Tracks aus Dicos neunjährigem Schaffen auch einige neue sowie bisher nur auf Soundtracks veröffentlichte vorgestellt werden. Im Gegensatz zu so manch anderer Greatest Hits-Zusammenstellung aber überrascht dieses Album mit Homogenität. Nachdem am Beginn der Titeltrack einen mit dynamischem Schwung in das Hörerlebnis geworfen hat, ist man dann auch im Folgenden von irgendwie bekannt anmutenden und sich sanft in die Gehörgänge einschmeichelnden Melodien gefangen genommen.
 
Dicos Handschrift zu beschreiben fällt trotzdem nicht so einfach, wohl auch, da sich, im Gegensatz zu so manch anderen Künstlern, direkte Vergleiche mit anderen Musikschaffenden nicht direkt aufdrängen. Auf der Suche nach passenden Adjektiven kommen einem dann auch vor allem Worte wie "reif" und eigenständig in den Sinn. Dass hier jemand seinen eigenen Stil gefunden hat, fällt auch durch die bereits erwähnte Harmonie zwischen den Tracks auf-man mag gar nicht glauben, dass diese über fast eine Dekade entstanden sind. Sie treffen sich alle in der Mitte zwischen Dicos kühler Stimme, der sorgfältigen, manchmal schon sparsamen, Instrumentierung und den warmen Harmonien und simplen aber dennoch ansprechenden Texten. Im Gegensatz zu manch anderen Sängerinnen, die ihre Bekanntheit den Verantwortlichen für die klangliche Untermalung der Serie "Grey's Anatomy" zu verdanken haben, bekommt man bei Dico keine Sekunde das Gefühl, es hier mit einer einfallslosen Eintagsfliege zu tun zu haben. Vor allem live muss diese Künstlerin eine Wucht sein (dafür spricht unter anderem, dass sie sich ihren Ruhm größtenteils durch exzessives Touren mit vielerorts ausverkauften Venues erarbeitet hat).

Zusätzlich zu der quasi Best-Of plus neuen Tracks wird einem außerdem auch noch eine zweite CD serviert, auf der weitere Stücke von Tina Dico in neuem Gewand, sprich, oftmals rein akustisch, vorgestellt werden. Prominente Unterstützung erhält sie hierbei von Teitur und Helgi Jonsson und hier kommen einem dann doch Vergleiche mit z.b. Regina Spektor in den Sinn. Eine wunderbare Ergänzung zu den anderen Tracks und hier zeigt sich einmal wieder, dass man wahre musikalische Perlen daran erkennt, dass sie immer noch (oder ganz besonders) glänzen, wenn man sie auf das Wesentliche reduziert. Jede dieser CDs und beide zusammen sowieso zeichnen das Bild einer großartigen Sängerin und Songschreiberin, die hoffentlich auf den ganz großen Durchbruch hierzulande nicht mehr lange warten muss.

VÖ: 24.09.2010 auf Finest Gramophone/Indigo

[Platten] Ghost Of A Chance - And Miles To Go Before I Sleep

Image Es geht ein Trend um in der Musikerlandschaft. Hardcorefrontmänner besinnen sich, dass sie ja eigentlich doch nicht so böse sind wie sie in ihren Hauptbands vorgeben zu sein. Also dreht man die musikalische Ausrichtung einfach mal auf den Kopf und wird emotional. So auch bei Tobias Heiland, der sich mit seinem Projekt Ghost of a chance genau für diesen Weg entschieden hat. Wenn das mal gut geht.

Ja, das Konzept geht sogar ziemlich gut auf. Feinster Folk, der meist allein mit Akkustikgitarre und wenigen Effekten auskommt. Der Mainzer, dem man seine rheinische Herkunft nicht die Bohne anhört, singt sich den Strassenstaub von der Seele und verewigt ihn auf CD. Erinnert entfernt an das sehr schöne Cold As The Clay von Greg Graffin. Authentisch, vielleicht nicht im superoriginell, aber insgesamt sehr schön. So könnte man es bezeichnen, und genau so bezeichne ich sein Debüt And Miles To Go Before I Sleep.

Ganz besonders sei hier mal das sehr packende Live a little genannt. Schon toll was sich da die Leute von Midsummer Records an Land gezogen haben. Wenn der gute Mann in die Stadt kommt, dann schaut doch mal auf ein Bier auf seinen Konzerten vorbei und lasst euch von seiner Musik begeistern.

www.myspace.com/aghostofachance

VÖ:13.08.2010 auf Midsummer Records / Cargo Records

[Platten] Blam/Boa - Split 7

Image Blamboa, was ist das denn für'n bescheuerter Namen. So der erste Gedanke als ich damals die CD aus dem Briefumschlag schüttelte. Das es sich hierbei einfach um Abkürzungen für die Metalcorebands Between Love And Madness und Badge Of Apathy handelt, die sich hier eine Split-EP teilen, habe ich erst später rausgefunden.

Schlicht mit Split Seven betitelt, liefern die Nordlichter hier ein Art Empfehlungsschreiben für ihr Können ab. Knackiger und auf den Punkt gebrachter Metalcore á la Poison The Well wird hier ziemlich abgebrüht aus der Gitarrenhand geschüttelt. Das das alles andere als zimperlich abgeht, bräuchte ich eigentlich garnicht zu erwähnen.

Zwei Songs pro Band, knappe 10 Minuten lang wird hier Himmel und Hölle bzw. deren Vertreter angeschrien und zu Tode gemosht. Bin gespannt, ob die Jungs auch das Zeug dazu haben, dieses hohe Niveau auf einem Album durchzuhalten. Wenn ihnen dies gelingt, dann Hut ab.

Schönes Ding.

www.myspace.com/betweenloveandmadness
www.myspace.com/boametal

VÖ:24.04.2010 DIY